Biologisches Alter sagt Sterberisiko nach Operationen voraus
Zwei Menschen gleichen Alters können biologisch betrachtet welten weit auseinanderliegen. Eine neue Multi-Kohorten-Studie legt nahe, dass dieser Unterschied besonders dann entscheidend ist, wenn der Körper unter operativem Stress steht.
Forschende haben untersucht, ob biologische Altersuhren das postoperative Sterberisiko und mögliche Komplikationen besser vorhersagen können als das kalendarische Alter allein. Mithilfe von PhenoAge, einer Uhr, die das biologische Alter aus Blut-Biomarkern schätzt, zeigte die Studie, dass beschleunigtes biologisches Altern bei älteren Erwachsenen nach größeren Operationen mit einem deutlich erhöhten Sterberisiko korreliert.
Wenn der Geburtstag kein geeignetes Maß ist
Chirurginnen und Chirurgen stützen sich bei der Einschätzung des Operationsrisikos derzeit stark auf das kalendarische Alter. Doch die Zahl im Personalausweis ist ein grober Näherungswert. PhenoAge-Akzeleration bezeichnet die Lücke zwischen dem geschätzten biologischen Alter einer Person und ihrem Kalenderalter. In dieser Studie war genau diese Lücke ein stärkerer Prädiktor für schlechte Operationsergebnisse als das Kalenderalter allein. Zwei Patientinnen oder Patienten, beide siebzig Jahre alt, können sich in ihrer Fähigkeit, den physiologischen Stress eines Eingriffs zu überstehen, erheblich unterscheiden.
Die Ergebnisse fügen sich in ein breiteres Muster der Langlebigkeitsforschung ein: Biologische Altersuhren messen nicht, wie lange jemand gelebt hat, sondern wie viel kumulativer Schaden sich im Körper angesammelt hat. Dieser Schaden bestimmt die Belastbarkeit unter akutem Stress, und ein großer chirurgischer Eingriff ist genau ein solcher Stressor.
Auf dem Weg zu einer besseren Risikoeinschätzung
Die Forschenden schlagen vor, dass blutbasierte Altersuhren bei schwierigen klinischen Entscheidungen helfen könnten, etwa bei der Frage, ob ein gebrechlicher älterer Patient einen risikoreichen Eingriff erhalten sollte. Es handelt sich um korrelative Befunde, und die Autorinnen und Autoren sehen die Uhr nicht als alleiniges Kriterium. Dennoch bietet die Aussicht auf einen einfachen Bluttest, der aussagekräftigere Risikoinformationen liefert als ein Geburtsjahr, eine vielversprechende Richtung für die chirurgische Risikoeinschätzung. Vor einem klinischen Einsatz ist eine weitere Validierung in verschiedenen Krankenhausumgebungen und Bevölkerungsgruppen erforderlich.
Suchbegriffe zur vertiefenden Recherche: PhenoAge biologisches Altern, postoperatives Sterberisiko, physiologische Belastbarkeit im Alter