Lungenmittel lässt Blut in sechs Aging-Clocks jünger erscheinen
Ein experimentelles Medikament gegen Lungenfibrose zeigte eine unerwartete Wirkung: Das Blut der Patienten wirkte biologisch jünger. Gemessen wurde dies anhand von sechs verschiedenen Aging-Clocks. Ob das Mittel das Altern tatsächlich umfassend verlangsamt, ist noch offen.
Rentosertib wurde zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) entwickelt – einer fortschreitenden Erkrankung, bei der Narbengewebe die Lungenfunktion zunehmend beeinträchtigt. Betroffen sind überwiegend Menschen über 65, wobei zelluläre Seneszenz und chronische, schwelende Entzündungsprozesse eine wesentliche Rolle spielen. Das Medikament hemmt ein Protein namens TNIK, das an mehreren alterungsbezogenen Prozessen beteiligt ist.
In der Studie, veröffentlicht in Nature Biotechnology, analysierten Forschende Blutproben von 42 Teilnehmenden aus einer früheren Phase-2a-Studie. Sie setzten sechs proteomische Aging-Clocks ein – Instrumente, die das biologische Alter anhand von Proteinprofilen im Blut schätzen. Vier dieser Clocks wurden auf das chronologische Alter trainiert, zwei auf das Sterberisiko.
Nach vier Wochen rechnerisch drei Jahre jünger
Nach vier Wochen mit der höchsten Einzeldosis (60 Milligramm einmal täglich) schätzten vier Clocks die Patienten im Durchschnitt etwa drei Jahre jünger ein als zu Beginn. Dieser Unterschied war im Vergleich zu Placebo statistisch signifikant. Die beiden auf Sterberisiko trainierten Clocks zeigten bei dieser Dosis und zu diesem Zeitpunkt keine signifikante Veränderung. Patienten, die zweimal täglich 30 Milligramm erhielten, wiesen über beide Clock-Typen hinweg die konsistentesten Rückgänge auf.
Was diese Ergebnisse bedeuten – und was nicht
Eine zentrale Einschränkung besteht darin, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Clocks lediglich die Verbesserung der Lungenerkrankung selbst widerspiegeln und keinen umfassenderen Anti-Aging-Effekt anzeigen. Proteomische Aging-Clocks messen Proteinkonzentrationen im Blut, die sich bei jeder Krankheitsbesserung verschieben. Eine der Clocks wurde zudem von Insilico entwickelt – demselben Unternehmen, das auch Rentosertib hergestellt hat. Aus Sicht der Longevity-Forschung ist es dennoch bemerkenswert, dass mehrere unabhängige Clocks in dieselbe Richtung zeigen. Die Forschenden betonen jedoch, dass größere Studien nötig sind, um zu bestätigen, ob dies eine echte, systemweite Verlangsamung des Alterns widerspiegelt.
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