Bluttest unterscheidet zuverlässig drei Demenzformen
Ein Bluttest, der drei Demenzformen voneinander unterscheiden kann: Das klingt nach Zukunftsmusik, doch eine große internationale Studie hat einen ernsthaften Schritt in diese Richtung unternommen. Für Menschen mit Gedächtnisproblemen könnte die Diagnose schneller und weniger belastend werden.
Forschende analysierten Blutproben von Tausenden Patientinnen und Patienten in mehreren Zentren weltweit. Sie suchten nach Proteinmarkern (Proteomik) im Blut, die charakteristisch für die Alzheimer-Krankheit, die Demenz mit Lewy-Körperchen und die frontotemporale Demenz sind. Diese drei Erkrankungen können klinisch ähnlich aussehen, haben jedoch unterschiedliche Ursachen und erfordern unterschiedliche Behandlungen. Gegenwärtig ist für ihre Unterscheidung häufig eine kostspielige Bildgebung des Gehirns oder eine invasive Lumbalpunktion erforderlich.
Die Studie, veröffentlicht in Nature Aging, identifizierte eine Reihe von Blutproteinen, die sowohl die Diagnose als auch ein molekulares Staging unterstützen könnten, was bedeutet, dass das Blutprofil möglicherweise Aufschluss darüber gibt, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Das ist von Bedeutung, weil einige Behandlungen besser wirken, wenn sie frühzeitig begonnen werden.
Mehr als eine diagnostische Abkürzung
Demenz betrifft weltweit zig Millionen Menschen. Eine frühe und präzise Diagnose ermöglicht bessere Therapieentscheidungen und gibt Betroffenen sowie ihren Familien mehr Zeit zur Planung. Bislang konzentrierten sich blutbasierte Diagnoseverfahren für Demenz hauptsächlich auf Alzheimer. Diese Studie geht weiter, indem sie die anderen wichtigen Demenzformen in ein einziges integriertes Blutpanel einbezieht.
Vorsicht bleibt dennoch angebracht. Die Biomarker sind vielversprechend, doch die Studie basiert auf Daten auf Gruppenebene. Wie gut der Test auf individueller Ebene abschneidet und ob er im klinischen Alltag praktikabel ist, muss noch gezeigt werden. Die Forschenden räumen ein, dass eine Validierung in größeren und diverseren Bevölkerungsgruppen noch aussteht.
Was das für die Langlebigkeitsforschung bedeutet
Aus der Perspektive der Langlebigkeitsforschung könnten zuverlässige Biomarker für Neurodegeneration (den schrittweisen Abbau von Nervenzellen) eine frühere Erkennung von Erkrankungen und eine präzisere Verlaufskontrolle künftiger Therapien ermöglichen. Blut ist leicht zugänglich, wiederholt entnehmbar und skalierbar. Sollten solche Tests klinisch validiert werden, könnten sie eine Schlüsselrolle in der präventiven Neurologie spielen.
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