Das alternde Gehirn tauscht seine Immunzellen gegen aggressivere aus
Das Gehirn ersetzt mit zunehmendem Alter seine eigenen Immunzellen. Doch die Neuankömmlinge sind entzündungsfreudiger als ihre Vorgänger. Das könnte erklären, warum chronische Entzündungen im alternden Gehirn so schwer zu stoppen sind.
Mikroglia sind die ortsansässigen Immunzellen des Gehirns. Sie beseitigen Zellschrott, überwachen Infektionen und reagieren auf Schäden. Unter normalen Bedingungen sind sie langlebig und werden kaum ersetzt. Mit dem Alter scheint sich dieses Muster zu verändern.
Neue Forschungsergebnisse, über die der Fight Aging! Newsletter berichtet, deuten darauf hin, dass Mikroglia im alternden Gehirn durch eine stärker entzündungsfördernde Population von Immunzellen ersetzt werden. Diese Ersatzzellen produzieren verstärkt entzündliche Botenstoffe (Zytokine) -- Moleküle, die bei dauerhafter Präsenz Gewebeschäden verursachen können. Die Forschenden gehen davon aus, dass dieser Mechanismus zur chronischen, schwelenden Entzündung beiträgt, die das alternde Gehirn kennzeichnet und mit Alzheimer sowie anderen neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht wird.
Mehr als nur ein einfacher Ersatz
Es handelt sich nicht schlicht darum, dass dieselben Zellen altern. Die neue Population weist ein anderes funktionales Profil auf: Sie reagiert stärker auf Reize und produziert mehr entzündungsfördernde Moleküle. In der Alternsforschung wird dieser anhaltende Entzündungszustand als „Inflammaging" bezeichnet -- ein Zustand, in dem das Immunsystem ohne akute Bedrohung dauerhaft auf niedriger Alarmstufe bleibt.
Dieser Ersatzprozess wurde an Mäusen kartiert. Ob derselbe Mechanismus beim Menschen auftritt und in welchem Tempo, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Befunde sind vorläufig und stützen sich auf Tierversuche.
Was das für die Alzheimer-Forschung bedeutet
Mikroglia sind seit Langem als möglicher Angriffspunkt in der Alzheimer-Forschung von Interesse. Wenn der Ersatz durch eine entzündungsfördernde Zellpopulation eine zentrale Rolle spielt, eröffnet das einen neuen Ansatz für Eingriffe: nicht die Mikroglia selbst ins Visier zu nehmen, sondern die Bedingungen zu beeinflussen, die bestimmen, welche Art von Zellen das Gehirn besiedelt. Das ist ein vielversprechender, aber noch früher Forschungsansatz.
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