Das Gehirn, Zelle für Zelle kartiert
Um zu verstehen, was bei Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer schiefläuft, muss man zunächst wissen, wie ein gesundes Gehirn aussieht – bis hinunter zur einzelnen Zelle. Genau diese Kartierung ist jetzt im Gange.
Ein internationales Forschungsprojekt erstellt einen detaillierten Zellatlas des menschlichen Gehirns. Die Studie, erschienen in Science, beschreibt, wie der Atlas jeden Zelltyp im Gehirn dokumentieren soll – einschließlich seiner Lage, seiner Genaktivität und seiner Verbindungen zu anderen Zellen. Ziel ist es zu verstehen, welche Zelltypen bei neurodegenerativen Erkrankungen (Krankheiten, bei denen Nervenzellen nach und nach absterben, wie Alzheimer und Parkinson) als erste betroffen sind.
Das Gehirn enthält Dutzende Milliarden Zellen in Hunderten verschiedener Typen. Frühere Forschungsmethoden konnten diese nicht immer voneinander unterscheiden. Neue Verfahren zur Messung der Genaktivität in einzelnen Zellen (Einzelzell-Sequenzierung) machen es heute möglich, jedem Zelltyp einen molekularen Fingerabdruck zuzuweisen – basierend darauf, welche Gene er abliest.
Was die Karte sichtbar machen kann
Durch den Vergleich gesunder Gehirne mit Gehirnen von Menschen, die zu Lebzeiten an einer neurodegenerativen Erkrankung litten, lässt sich erkennen, welche Zelltypen sich im Krankheitsverlauf früh verändern. Das ist eine Schlüsselinformation: Wer weiß, welche Zellen zuerst besonders anfällig sind, kann gezielter nach Behandlungen suchen, die genau diese Zellen schützen oder wiederherstellen.
Ein Fundament für künftige Forschung
Atlasprojekte wie dieses liefern keine Therapien, sie schaffen die Grundlage, auf der künftige Forschung aufbauen kann. Das Gehirn ist das Organ, dessen Funktionsverlust im Alter am deutlichsten spürbar wird. Eine präzise Zellkarte ist ein unverzichtbares Werkzeug für jede Forschung, die daran etwas ändern will.