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Ein alterndes Immunsystem könnte Hirnerkrankungen aktiv begünstigen

Redaktion LongevityWatch · 9. Mai 2026 · 2 min · English

Das Immunsystem bleibt nicht säuberlich vom Gehirn getrennt. Mit zunehmendem Alter und chronischer Entzündung scheint es Demenz und andere neurologische Erkrankungen aktiv zu fördern – eine Verbindung, die lange Zeit womöglich unterschätzt wurde.

Seit Jahren ist bekannt, dass das Altern eine schleichende, unterschwellige Entzündung im gesamten Körper mit sich bringt. Dieses Phänomen wird als Inflammaging bezeichnet – ein Kunstwort aus den englischen Begriffen für Entzündung (inflammation) und Altern (aging). Die entscheidende Frage war jedoch stets, ob diese Entzündung lediglich eine Folge bereits eingetretener Zellschäden ist oder ob sie selbst weiteren Verfall verursacht. Aktuelle Analysen, darunter eine ausführliche Übersicht von Fight Aging, schärfen nun diesen Unterschied. Das Ergebnis ist unbequem: Das Immunsystem ist ein aktiver Treiber der Neurodegeneration – kein unbeteiligter Zuschauer.

Wenn die Körperabwehr das Gehirn angreift

Die Geschichte beginnt außerhalb des Gehirns. Mit zunehmendem Alter häufen Zellen Schäden in vielerlei Form an: Mitochondrien, die Energiekraftwerke der Zelle, geben DNA-Fragmente ab, die an falschen Stellen innerhalb der Zelle landen. Das Immunsystem liest diese fehlplatzierten DNA-Stücke als Gefahrensignal – als wäre ein Virus zugegen – und reagiert mit Entzündung. Grundsätzlich eine sinnvolle Reaktion. Wenn sie jedoch dauerhaft auftritt, wird das System überlastet und chronisch aktiviert.

Diese chronische Aktivierung hat direkte Folgen für das Gehirn. Mikroglia, die körpereigenen Immunzellen des Gehirns, werden durch entzündliche Signale aus dem restlichen Körper beeinflusst. Unter normalen Bedingungen beseitigen Mikroglia geschädigtes Material und schützen Nervenzellen. In einem dauerhaft entzündlichen Milieu schießen sie jedoch über das Ziel hinaus: Sie werden überaktiv, schädigen gesunde Zellen und tragen zur Ansammlung von Eiweißablagerungen bei, wie sie für Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson typisch sind.

Immunoseneszenz: wenn das Immunsystem den Überblick verliert

Gleichzeitig büßt das Immunsystem mit dem Alter schrittweise seine Leistungsfähigkeit ein. Dieser Vorgang wird als Immunoseneszenz bezeichnet – das Altern des Immunsystems selbst. Es wird zugleich überaktiv und ineffizient: Es bewältigt bekannte Bedrohungen schlechter, reagiert langsamer auf neue Infektionen und produziert mehr Entzündung, ohne sie angemessen zu regulieren. Man könnte es mit einem Sicherheitssystem vergleichen, das ständig Alarm schlägt, aber echte Eindringlinge nicht mehr erkennt.

Diese Kombination – zu viel Entzündung, zu wenig gezielte Schutzwirkung – scheint einen Nährboden für Neurodegeneration zu schaffen. Humanstudien zeigen, dass das Ausmaß des Inflammaging den kognitiven Abbau vorhersagt. Und Versuche an Mäusen, bei denen das Immunsystem durch Blutplasmatransfusionen oder genetische Eingriffe „verjüngt" wurde, führten in einigen Fällen zu messbaren Verbesserungen der Hirnfunktion.

Das macht das Immunsystem zu einem immer attraktiveren Ansatzpunkt für die Langlebigkeitsforschung. Interventionen zur Reduzierung des Inflammaging – von bestimmten Ernährungsmustern bis hin zu experimentellen Wirkstoffen, sogenannten Rapalogs, die möglicherweise Aspekte einer jugendlichen Immunfunktion wiederherstellen – stoßen auf wachsendes Interesse. Ob damit Hirnerkrankungen tatsächlich verhindert oder verlangsamt werden können, muss noch in großen klinischen Studien belegt werden. Doch die Richtung ist klarer denn je: Die Grenze zwischen Immunologie und Neurologie löst sich auf.

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