Ein Immun-Schalter verlangsamt das Altern in allen Organen
Ein einziger molekularer Schalter im Immunsystem könnte das Altern im gesamten Körper vorantreiben. Bei Mäusen stellte das Blockieren dieses Schalters einen zellulären Reinigungsprozess wieder her – mit dem Ergebnis weniger Entzündung sowie jüngerer Organ-, Muskel- und Gedächtnisfunktion.
Chronische Entzündung auf niedrigem Niveau gehört zu den am besten untersuchten Mechanismen des Alterns gegen das Altern. Mit zunehmendem Alter versagt das Immunsystem immer häufiger: Es beseitigt beschädigte Zellen weniger effektiv und produziert gleichzeitig mehr Entzündungssignale. Die genauen molekularen Ursachen dafür waren bislang unklar.
Neue Forschungsergebnisse, über die ScienceDaily berichtet, deuten darauf hin, dass Immunzellen mit dem Alter einen bestimmten Rezeptor verlieren – einen, der es ihnen ermöglicht, beschädigte, entzündungsfördernde Zellen zu erkennen und zu beseitigen. Die Forschenden blockierten diesen Rezeptor experimentell bei Mäusen und stellten dabei den zellulären Reinigungsprozess wieder her. Das Ergebnis: weniger chronische Entzündung, und Organe, Muskeln sowie das Gedächtnis funktionierten so, als wären die Tiere deutlich jünger als ihr tatsächliches Alter.
Inflammaging als Mechanismus
Wissenschaftler verwenden den Begriff „Inflammaging" – eine Kombination aus „Inflammation" und „Aging" – um das gleichzeitige Auftreten von Alterung und anhaltender Entzündung auf niedrigem Niveau zu beschreiben. Es handelt sich nicht um eine einzelne Krankheit, sondern um einen Zustand, der gleichzeitig zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz, Diabetes und Muskelschwund beiträgt. Dass ein einziger Rezeptor dabei eine zentrale Rolle spielt, ist ein bemerkenswerter Befund.
Wie weit trägt dieser Befund?
Die Studie wurde an Mäusen durchgeführt, und der vollständige Bericht über den beteiligten Rezeptor liegt in der verfügbaren Zusammenfassung nicht vor. Schlussfolgerungen zur Anwendung beim Menschen sind verfrüht: Mausstudien zu Entzündung und Altern haben sich im Labor wiederholt als vielversprechend erwiesen, ließen sich aber nur schwer auf den Menschen übertragen.
Dennoch ist die Richtung für die Langlebigkeitsforschung relevant. Lässt sich das Altern des Immunsystems zumindest teilweise auf einen bestimmten molekularen Schalter zurückführen, eröffnet das präzisere Angriffspunkte als breit wirkende Entzündungshemmer, die zugleich gesunde Immunreaktionen unterdrücken. Weitere Studien am Menschen müssen zeigen, ob daraus klinische Konsequenzen folgen.
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