Ein Longevity-Gen, das die Gesundheit schützt – aber nicht das Gehör
Nacktmulle sind für ihre Körpergröße erstaunlich langlebig. Ein Grund könnte eine besondere Form von Hyaluronan in ihrem Bindegewebe sein. Mäuse, die das entsprechende Gen tragen, leben länger und gesünder – doch schützt es sie auch vor altersbedingtem Hörverlust?
Hyaluronan ist ein Stoff der extrazellulären Matrix, also des Raums zwischen den Zellen. Nacktmulle produzieren eine Variante mit sehr hoher Molekülmasse, die ihr Gewebe offenbar widerstandsfähiger macht. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Mäuse, die das Hyaluronan-Synthase-2-Gen des Nacktmlls (nmrHas2) tragen, länger leben und im hohen Alter einen besseren Gesundheitszustand aufrechterhalten.
Offen blieb, ob dieser Schutz auch den altersbedingten Hörverlust einschließt – in der Forschung als Presbyakusis bezeichnet. Etwa jeder dritte Erwachsene zwischen 65 und 74 Jahren leidet unter gewissen Höreinschränkungen. Das Forschungsteam untersuchte daher gezielt die Cochlea, das Hörorgan des Innenohrs, dieser transgenen Mäuse.
Gesundheit und Gehör entkoppelt
Das Ergebnis war eindeutig: Das Gen schützte nicht vor Hörverlust. Die transgenen Mäuse entwickelten einen altersbedingten Hörabbau genauso wie gewöhnliche Mäuse. Anders verhielt es sich mit Kalorienrestriktion – einem Ernährungseingriff, der den Hörverlust im selben Mausstamm tatsächlich verlangsamte.
Die Befunde legen nahe, dass die Alterungsprozesse in der Cochlea anderen Mechanismen folgen als die allgemeinen Gesundheitsvorteile, die nmrHas2 im übrigen Körper vermittelt. Die Forschenden sprechen von einer Entkopplung: Eine Intervention kann die allgemeine Gesundheitsspanne verbessern und dabei einzelne Organe dennoch unberührt lassen.
Was das für die Longevity-Forschung bedeutet
Das ist eine wichtige Nuancierung für die Longevity-Forschung. Die Übertragung nützlicher Gene aus langlebigen Arten schützt nicht automatisch jedes Organ oder jeden Alterungsprozess. Ergebnisse müssen künftig Organ für Organ und Mechanismus für Mechanismus bewertet werden.
Die Studie zeigt zudem, wie zwei Interventionen, die beide die Lebensdauer verlängern, über völlig unterschiedliche Wege wirken und dabei in bestimmten Geweben verschiedene Effekte erzeugen können. Eine einzelne genetische Veränderung und ein Ernährungseingriff wie die Kalorienrestriktion mögen dasselbe Ziel ansteuern – die Wege dorthin sind grundverschieden.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Frontiers in Aging veröffentlicht.
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