Ein unsterbliches Tier gibt Hinweise darauf, wie Zellen dem Altern entgehen
Manche Tierarten scheinen nicht zu altern. Die Hydra, ein winziger Süßwasserorganismus, gehört dazu. Neue Forschung untersucht, wie dieses kleine Tier seine Zellteilungsfähigkeit dauerhaft erhält – und was das über das Altern beim Menschen verraten könnte.
Jedes Mal, wenn sich eine Zelle teilt, werden die Enden ihrer Chromosomen ein kleines Stück kürzer. Diese Enden heißen Telomere – schützende Strukturen an den Chromosomenspitzen. Werden sie zu kurz, stellt die Zelle die Teilung ein und stirbt schließlich ab oder verfällt in einen ruhenden Zustand. Dieser Mechanismus funktioniert wie eine biologische Uhr. Stammzellen umgehen dieses Schicksal mithilfe des Enzyms Telomerase, das die Telomere wieder auffüllt.
Hydren sind im Wesentlichen bewegliche Bündel aus Stammzellen. Sie können jeden Körperteil regenerieren. Die Studie zeigt, dass Hydren Telomerase nicht nur in Stammzellen einsetzen, sondern auch in gewöhnlichen Körperzellen (somatischen Zellen). Das ist bemerkenswert: Bei den meisten Tieren – einschließlich des Menschen – ist dieses Enzym in somatischen Zellen nahezu inaktiv.
Nicht direkt auf den Menschen übertragbar
Die Frage ist, ob sich aus der Biochemie der Hydra etwas lernen lässt. Die Forschenden sind vorsichtig: Hydren sind evolutionär weit vom Menschen entfernt. Ihr Körper besteht fast vollständig aus Stammzellen, was sie mit einem beweglichen Embryo vergleichbar macht. Das unterscheidet sich grundlegend von der Architektur menschlicher Organe.
Hinzu kommt: Die Aktivierung der Telomerase in menschlichen somatischen Zellen birgt Risiken. Krebszellen nutzen genau denselben Mechanismus, um unsterblich zu werden. Eine erhöhte Telomerase-Aktivität in normalen Zellen könnte das Tumorwachstum begünstigen. Dieses Spannungsfeld macht eine direkte Anwendung kompliziert.
Was die vergleichende Biologie zeigt
Die vergleichende Biologie – also das Studium verschiedener Arten, um Alterungsmuster zu verstehen – liefert wertvolle Einblicke in die Evolution des Alterns. Dass manche Arten Telomerase breit einsetzen und nicht altern, während andere das nicht tun, deutet darauf hin, dass Altern keine biologische Unvermeidlichkeit ist, sondern eine evolutionäre Weichenstellung. Für die Longevity-Forschung ist das ein relevanter Gedanke: Wenn Altern fakultativ ist, lässt es sich theoretisch auch beeinflussen. Wie genau, ist bislang offen.
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