Entzündungshemmer schützt das alternde Herz nicht
Eine vielversprechende Strategie gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die auf die Dämpfung von Entzündungsprozessen setzt, scheint erneut gescheitert zu sein. Novo Nordisk stoppte zwei große Studien mit dem Wirkstoff Ziltivekimab, nachdem ein unabhängiges Überwachungskomitee zu dem Schluss kam, dass ein Erfolg unwahrscheinlich ist.
Chronische, unterschwellige Entzündungen tragen bekanntermaßen zur Entstehung und zum Fortschreiten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei. Diese Erkenntnis hat die Hoffnung genährt, dass entzündungshemmende Medikamente auch Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen könnten. Ziltivekimab richtet sich gegen ein Protein namens Interleukin-6 (IL-6), eines der zentralen Botenmoleküle im Entzündungsgeschehen.
Die Forscher bei Novo Nordisk stoppten die HERMES- und ATHENA-Studien nach einer Zwischenauswertung. Der Schritt folgt dem bereits bekannten Misserfolg der ZEUS-Studie, in der Ziltivekimab zwar Entzündungsmarker im Blut senkte, das Risiko schwerwiegender Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Tod oder Herzinfarkt aber nicht verringerte.
Eine Reihe von Rückschlägen
Es ist nicht das erste Mal, dass ein entzündungshemmender Ansatz bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen scheitert. Frühere Wirkstoffe, die andere Entzündungswege blockierten, lieferten gemischte Ergebnisse. Wer einen Entzündungsmarker im Blut senkt, ob CRP oder IL-6, verhindert damit nicht automatisch Herzinfarkte. Das legt nahe, dass chronische Entzündung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eher eine Begleiterscheinung als eine Ursache sein könnte, oder dass die richtigen Angriffspunkte bislang noch nicht gefunden wurden.
Für die Longevity-Forschung, in der Inflammaging, also die chronische Entzündung, die sich mit dem Alter ansammelt, als therapeutisches Ziel gilt, ist das eine wichtige Lektion: Nicht jeder biologisch plausible Mechanismus führt auch zu einem klinischen Nutzen.
Wie es weitergeht
Die Misserfolge mit Ziltivekimab erhöhen den Druck, besser zu verstehen, welche Patienten von entzündungshemmenden Therapien profitieren könnten und welche nicht. Auswertungen von Untergruppen aus den vorhandenen Daten könnten noch Aufschluss geben. Andere Unternehmen verfolgen ähnliche Ansätze, doch das Gesamtbild der Evidenz verschiebt sich.
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