Fett im Muskelgewebe als Maß des biologischen Alters
Das Altern hinterlässt Spuren in den Muskeln – nicht nur darin, wie viel Muskelmasse noch vorhanden ist, sondern auch darin, wie viel Fett sich zwischen die Fasern geschlichen hat. Ein neues Review-Paper argumentiert, dass dies als zuverlässiges Maß des biologischen Alters dienen könnte.
Seit Langem sucht die Wissenschaft nach einer robusten biologischen Uhr: einem Maß dafür, wie alt der Körper funktional ist – unabhängig vom kalendarischen Lebensalter. Handkraft, Gehgeschwindigkeit, Blutmarker, DNA-Muster – all das sind bisherige Ansätze. Ein neues Review-Paper fügt einen weiteren Kandidaten hinzu. Die Fetteinlagerung in Muskelgewebe, medizinisch als Myosteatose bezeichnet, nimmt mit dem Alter zu und ist mit dem Abbau von Kraft, Gleichgewicht und Gehvermögen verbunden.
Fett, wo es nicht hingehört
Bei der Myosteatose lagert sich Fett zwischen und innerhalb von Muskelzellen ab. Das unterscheidet sie vom Körpergewicht oder dem allgemeinen Körperfettanteil. Die Forschenden werteten Daten aus Bevölkerungsstudien aus, in denen die Fettinfiltration bei selbstständig lebenden Erwachsenen mittels medizinischer Bildgebung gemessen wurde. Die Myosteatose nahm dabei konstant mit dem Alter zu – unabhängig von Gewichtsveränderungen. Frauen sowie nicht-weiße und hispanische Erwachsene wiesen nach Bereinigung um körperliche Aktivität und Krankheitslast höhere Werte auf.
Das Ausmaß der Fettinfiltration variiert je nach Körperregion und hängt unterschiedlich stark mit Ergebnisgrößen wie Gangbild, Gleichgewicht und Muskelkraft zusammen. Diese Variabilität erschwert ein einheitliches universelles Maß, deutet aber darauf hin, dass die Myosteatose Informationen liefert, die Körpergewicht oder Muskelmasse allein nicht erfassen.
Noch kein Nachweis für die Messung von Therapieeffekten
Die entscheidende Frage bleibt offen: Ist die Myosteatose robust genug, um zu erkennen, ob eine Longevity-Behandlung tatsächlich wirkt? Ein guter Alters-Biomarker muss nicht nur mit dem Alter korrelieren, sondern auch auf Interventionen ansprechen, die die zugrunde liegende Biologie wirklich verändern. Genau diese Evidenz fehlt für die Myosteatose bislang. Die Forschenden fordern Langzeitstudien mit standardisierten Bildgebungsverfahren in diversen Bevölkerungsgruppen, um diese Frage zu beantworten.
Aus der Perspektive der Longevity-Forschung ist das Konzept als Ergänzung zu bestehenden Maßen interessant – nicht als Ersatz. Es handelt sich um einen sichtbaren, körperlichen Marker, der etwas Eigenständiges darüber erfasst, wie Muskelgewebe altert.
Willst du selbst weitersuchen?
Suche zum Beispiel nach:
- myosteatosis aging biomarker
- fat infiltration skeletal muscle imaging
- sarcopenia body composition aging