Brauchen Männer Östrogen für ihre Gesundheit?
Ja, Männer brauchen Östrogen für starke Knochen, gesunde Gefäße und Fruchtbarkeit. Sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss ist schädlich – es kommt auf die richtige Balance an.
Männer produzieren Östrogen selbst – allerdings nicht in den Hoden. Als einzige relevante Quelle gilt das Fettgewebe: Es wandelt Testosteron in Östradiol um, die biologisch aktive Östrogen-Form. Je mehr Fettgewebe vorhanden ist, desto stärker läuft diese Umwandlung.
Für die Knochen ist Östrogen bei Männern mindestens genauso wichtig wie bei Frauen. Männer mit sehr niedrigem Östradiolspiegel haben etwa ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für Hüft- oder Wirbelbrüche. Bemerkenswert dabei: Testosteron selbst steht kaum in direktem Zusammenhang mit der Knochenmasse – seine Wirkung scheint fast ausschließlich über die Umwandlung in Östrogen zu laufen.
Auch die Hodenfunktion und die Spermienproduktion hängen von einem ausgeglichenen Östrogenspiegel ab. Zu wenig Östrogen kann die Fruchtbarkeit von Männern beeinträchtigen. Gleichzeitig gilt das Gegenteil: Chronisch erhöhte Östrogenspiegel werden mit hormonabhängigen Krebserkrankungen und Immunproblemen in Verbindung gebracht.
Östrogenrezeptoren finden sich auch in den Gefäßwänden von Männern. Sie sind an der Gefäßerweiterung und Blutdruckregulation beteiligt und stellen damit eine Verbindung zur Herz-Kreislauf-Gesundheit her. Dieser Zusammenhang ist bislang assoziativer Natur: Dass sowohl zu hohe als auch zu niedrige Spiegel schaden können, ist klarer belegt als der genaue Wirkungsmechanismus.
Östrogen ist bei Männern also keine Nebensache. Es steuert Knochen, Herz und Gefäße, Stoffwechsel und Fortpflanzung mit. Zu wenig ist genauso ungünstig wie zu viel – entscheidend ist die Balance.
Alle Aussagen basieren auf assoziativer und wahrscheinlich kausaler Forschung am Menschen, ohne große randomisierte kontrollierte Studien. Die Evidenzstärke ist insgesamt mäßig; am stärksten belegt ist der Zusammenhang zwischen Östradiolspiegel und Frakturrisiko.