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Erhöht ein Lithiummangel das Demenzrisiko?

Vorläufige Evidenz

Menschen in Regionen mit höheren Lithiumwerten im Trinkwasser erkranken seltener an Demenz, doch ob ein Mangel Demenz tatsächlich verursacht, ist nicht bewiesen. Wer sich Sorgen um sein Demenzrisiko macht, sollte das mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen, statt auf eigene Faust Lithium einzunehmen.

Menschen, die über ihr Trinkwasser langfristig mehr als 15 Mikrogramm Lithium pro Liter aufnehmen, entwickeln seltener eine Demenz als Menschen in Regionen mit den niedrigsten Konzentrationen (2–5 Mikrogramm pro Liter). Das zeigt eine große dänische Studie mit mehr als 73.000 Demenzfällen. Auffällig: Die Gruppe mit 5 bis 10 Mikrogramm pro Liter hatte sogar eine höhere Erkrankungsrate. Das deutet auf einen unregelmäßigen, nicht-linearen Zusammenhang hin. Die Forschenden bezeichnen das ausdrücklich als Assoziation, nicht als bewiesene Ursache, und warnen vor Störfaktoren auf Gemeindeebene, die das Ergebnis verzerren können.

Eine japanische Studie über 808 Städte fand dasselbe Muster, allerdings nur bei Frauen. Bei Männern zeigte sich kein Zusammenhang. Warum Frauen empfindlicher auf Lithiumkonzentrationen im Wasser zu reagieren scheinen, ist ungeklärt. Hinzu kommt: Bei allen Teilnehmenden wurde die Lithiumexposition auf Stadtebene gemessen, nicht individuell, was solche Studien anfällig für Verzerrungen macht.

Zum Wirkmechanismus gibt es mehr Erkenntnisse aus Tier- und Laborversuchen. Lithium hemmt ein Enzym, das zur Ansammlung geschädigter Proteine im Gehirn beiträgt (Tau und Amyloid-beta), fördert die Bildung neuer Nervenzellen und schützt Hirnzellen vor Schäden. Eine Auswertung von 32 Studien, davon 29 in Tiermodellen, bestätigt diese Effekte, doch der Übertrag auf den Menschen ist bislang kaum erfolgt.

Kleine klinische Studien liefern vorläufig positive Signale: Eine Lithiumbehandlung verlangsamte bei Menschen mit Alzheimer den kognitiven Abbau nach drei Monaten und stabilisierte die Kognition bei Personen mit leichten Gedächtnisproblemen, einer frühen Vorstufe der Demenz. Groß angelegte Studien, die Ursache und Wirkung belegen könnten, fehlen jedoch noch. Dieselbe Forschung unterstreicht auch die Kehrseite: Bei höheren Blutspiegeln kann Lithium Nieren und Schilddrüse belasten sowie ungewollte Bewegungsstörungen oder kognitive Beeinträchtigungen auslösen. Lithium als Behandlung ist deshalb ausschließlich ein Thema für das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt, inklusive regelmäßiger Blutspiegel-Kontrolle.

Ob ein Lithiummangel als solcher das Demenzrisiko erhöht, bleibt offen. Die sogenannte Supplementierungstheorie, die Lithium als essenzielles Spurenelement betrachtet, hat bislang keine unabhängige Bestätigung erhalten. Die vorliegende Forschung zeigt ein konsistentes Muster: Höhere Lithiummengen im Trinkwasser gehen mit weniger Demenz einher. Das ist jedoch etwas anderes als der Nachweis, dass ein Mangel die Krankheit verursacht.

Die Belege
8 Studien · 1 Meta-Analyse · ≈ 807.384 Teilnehmer

Diese Antwort stützt sich auf Bevölkerungsstudien (darunter eine große dänische und eine japanische Ökologiestudie), eine Auswertung von 32 Studien (überwiegend an Tieren), kleinere klinische Studien bei Menschen mit Alzheimer oder leichten Gedächtnisproblemen sowie mehrere Übersichtsarbeiten. Die Evidenz für einen Zusammenhang zwischen höheren Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser und weniger Demenz ist moderat konsistent, wird aber nirgends als ursächlich belegt. Die Autorinnen und Autoren der Metaanalyse betonen selbst, dass Humandaten rar sind: Nur drei der 32 ausgewerteten Studien hatten Menschen als Teilnehmende. Randomisierte klinische Studien am Menschen existieren bislang kaum.

Zuletzt geprüft: Oktober 2026 · wie das beurteilt wurde
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