Schützt niedrig dosiertes Lithium dein Gehirn vor dem Altern?
Es gibt vorläufige Hinweise darauf, dass niedrig dosiertes Lithium das Gehirn schützen könnte, doch die Datenlage reicht nicht aus und die Risiken sind real genug, um Lithium ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht einzusetzen.
Lithium gelangt schon in sehr kleinen Mengen ins Gehirn. Eine Pilotstudie mit neun gesunden Männern zeigte, dass 5 mg Lithium pro Tag (etwa 2 bis 7 % einer therapeutischen Dosis) nach zwei bis vier Wochen messbar im Hirngewebe nachweisbar war. Das belegt die Verfügbarkeit im Gehirn, sagt aber noch nichts über eine Wirkung aus.
Eine bevölkerungsbasierte Studie mit über 62 Millionen Amerikanern stellte fest, dass Regionen mit höherem Lithiumgehalt im Trinkwasser eine etwas niedrigere Demenzrate aufwiesen (rund 3,5 bis 4 % weniger). Solche Bevölkerungsvergleiche können jedoch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen, weil sich Regionen in vielen weiteren Merkmalen unterscheiden. Dieselbe Studie fand außerdem eine leicht erhöhte Sterblichkeit bei Demenzerkrankten in lithiumreichen Gebieten, wobei dieser Zusammenhang nach statistischer Korrektur teilweise verschwand.
Bei Menschen mit früher Alzheimer-Erkrankung oder leichten kognitiven Einschränkungen beschreiben mehrere kleine Studien sowie ein systematisches Übersichtswerk aus dem Jahr 2014, dass niedrige Lithiumdosen den kognitiven Abbau möglicherweise verlangsamen und günstige Veränderungen bestimmter Biomarker in der Rückenmarksflüssigkeit bewirken. In Tiermodellen hemmt Lithium zwei zentrale Merkmale von Alzheimer: die Ansammlung von Amyloid-Plaques und die Bildung krankhaft veränderter Tau-Proteine. Dazu gibt es bisher jedoch nur Tier- und Kleinstudien; große kontrollierte klinische Studien am Menschen fehlen, und die vorliegenden Ergebnisse sind uneinheitlich.
Mausstudien zeigen: Eine höhere Lithiumdosis (entsprechend etwa 500 mg pro Tag beim Menschen) verschlechterte Gedächtnisleistung und Hirnaktivität, während eine niedrigere Dosis in Kombination mit einem Antipsychotikum positive Effekte zeigte. Das deutet auf einen engen Bereich zwischen hilfreicher und schädlicher Dosis hin. Fachleute betonen deshalb, dass regelmäßige Blutspiegelkontrollen und eine sorgfältige Auswahl geeigneter Personen unerlässlich sind. Lithium-Nahrungsergänzungsmittel ohne ärztliche Aufsicht einzunehmen ist mit realen Risiken verbunden.
Alle Aussagen basieren auf den zugrunde liegenden Abstracts (PMIDs: 41643982, 38810780, 37244539, 37506773, 24919696, 34119602, 41260370, 16931933). Große randomisierte klinische Studien fehlen; die vorhandene Evidenz stammt aus ökologischen Bevölkerungsstudien, einem systematischen Review überwiegend kleiner Studien, Tierversuchen und kleinen Pilotstudien am Menschen.