Beeinflusst Kreatin die Schlafqualität?
Kreatin verbessert möglicherweise das Schlafgefühl, objektive Messungen zeigen jedoch keinen Effekt. Nimm es nicht primär als Schlafmittel – wer es bereits für den Sport einnimmt, muss keinen schlechteren Schlaf befürchten.
Kreatin scheint das subjektive Schlaferleben zu verbessern. In einer kleinen Studie mit 14 Männern erzielten Teilnehmer, die eine Woche lang täglich 20 g Kreatin einnahmen, auf einer Schlafqualitätsskala deutlich bessere Werte als die Placebogruppe. Der Effekt war mittelgroß, und die Teilnehmer gingen früher ins Bett.
Was du subjektiv empfindest und was ein Gerät objektiv misst, klaffte in derselben Studie auseinander. Ein Bewegungssensor am Handgelenk zeigte keinerlei Unterschied bei der Einschlafdauer, der Schlafeffizienz oder der Gesamtschlafdauer. Kreatin verändert also möglicherweise das Schlafgefühl, ohne die eigentliche Schlafarchitektur zu verschieben.
Eine zweite Studie mit 21 Frauen, die sechs Wochen lang täglich 5 g Kreatin zusätzlich zum Krafttraining einnahmen, zeichnete ein etwas anderes Bild. An Trainingstagen schliefen Frauen in der Kreatingruppe signifikant länger als in der Placebogruppe. An Ruhetagen und auf der allgemeinen Schlafqualitätsskala zeigte sich kein Unterschied. Das deutet auf einen Erholungseffekt nach körperlicher Belastung hin, nicht auf einen breiten Schlafvorteil.
Es gibt zudem Hinweise, dass Kreatin das Gehirn teilweise vor den Folgen von Schlafmangel schützen könnte. Kreatin dient im Gehirn als schnelle Energiereserve, was nützlich sein kann, wenn du zu wenig geschlafen hast. Ein Übersichtsartikel kommt zu dem Schluss, dass Kreatinsupplementierung kognitive Einbußen durch Schlafmangel oder das Altern geringfügig abfedern kann. Bisher stammen diese Befunde aber fast ausschließlich aus Laborstudien mit kleinen Gruppen, nicht aus groß angelegten klinischen Untersuchungen.
Als Nebeneffekt verringerte Kreatin außerdem den Muskelkater nach Belastung. Das könnte den Schlaf indirekt verbessern, doch diesen Zusammenhang haben die vorliegenden Studien nicht direkt untersucht.
Alle Befunde stammen aus zwei kleinen Studien (14 und 21 Teilnehmer) sowie einem Übersichtsartikel. Keine der Studien ist groß genug für belastbare Schlussfolgerungen. Dass objektive Messungen nicht mit den subjektiven Verbesserungen übereinstimmen, erschwert die Interpretation zusätzlich.