Hilft Milch wirklich gegen Sodbrennen?
Milch lindert Sodbrennen im Alltag nicht nachweisbar und kann für einen Teil der Menschen sogar ein Auslöser sein. Wer regelmäßig unter Sodbrennen leidet, kann sich auf Milch als Mittel dagegen nicht verlassen.
Kalte Milch puffert Magensäure im Labor genauso gut wie ein handelsübliches Antazidum. Das klingt überzeugend, stammt aber aus einem künstlichen Magensystem ohne echte Verdauung, Hormone oder Speiseröhrenmuskulatur. Was im Reagenzglas funktioniert, lässt sich nicht automatisch auf den menschlichen Körper übertragen.
Was bei Menschen tatsächlich untersucht wurde, ergibt ein anderes Bild. In einer randomisierten Studie mit 72 Erwachsenen, die zwölf Wochen lang drei oder mehr Portionen Milchprodukte täglich aßen, veränderten sich Sodbrennen und Refluxbeschwerden im Vergleich zu Menschen mit geringem Milchkonsum nicht messbar. Mehr Milch oder Joghurt half also nicht, machte die Beschwerden aber auch nicht schlimmer.
Das gilt nicht für alle. Eine Beobachtungsstudie mit knapp 400 chinesischen Refluxpatienten zeigt, dass Menschen mit nicht-erosivem Reflux (Beschwerden ohne nachweisbare Schäden an der Speiseröhre) häufiger berichten, dass Milch und Joghurt ihre Symptome auslösen. Es handelt sich um Selbstangaben der Betroffenen, doch sie machen deutlich, dass Milch für einen Teil der Menschen ein Auslöser sein kann.
Bei Säuglingen mit Spuckreflux ist die Lage anders und besonders wichtig zu kennen. Zwei pädiatrische Übersichtsarbeiten weisen darauf hin, dass Refluxbeschwerden bei Babys regelmäßig mit einer Kuhmilchprotein-Allergie verwechselt werden. Liegt eine solche Allergie vor, verursacht Milch die Beschwerden, anstatt sie zu lindern. Die Folge sind dann unnötige Säurehemmer oder unnötige Diäten. Wenn dein Baby anhaltende Refluxbeschwerden hat, besprich das mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, um die eigentliche Ursache zu klären.
Das bekannte Hausmittel „ein Glas Milch bei Sodbrennen" ist im Alltag kaum belegt. Im Labor puffert Milch die Säure vorübergehend, doch im täglichen Leben verändern sich Sodbrennenbeschwerden dadurch nicht nachweisbar. Und für einen Teil der Menschen kann Milch die Symptome sogar erst auslösen.
Diese Antwort stützt sich auf Laboruntersuchungen, eine randomisierte Studie mit 72 Erwachsenen, eine Beobachtungsstudie mit knapp 400 Patienten, zwei pädiatrische Übersichtsarbeiten und eine Übersichtsarbeit zu Kalzium in der Schwangerschaft. Die einzige Studie, die einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegen kann (die randomisierte Studie), fand keinen Effekt. Der Beobachtungsbefund zu Auslösern basiert auf Selbstangaben und zeigt keinen ursächlichen Zusammenhang. Die Labordaten sagen nichts darüber aus, wie Milch im lebenden Körper wirkt. Insgesamt ist die Evidenzlage gering und widersprüchlich.