Kann Östrogencreme bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten helfen?
Lokal aufgetragene Östrogencreme senkt das Risiko für wiederkehrende Harnwegsinfekte bei Frauen nach der Menopause nachweisbar. Östrogen als Tablette hilft dabei nicht. Wenn du regelmäßig unter Blasenentzündungen leidest, lohnt es sich, die Creme mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zu besprechen.
Nach der Menopause sinkt der Östrogenspiegel, und das wirkt sich direkt auf die Schleimhaut von Blase und Vagina aus. Das Gewebe wird dünner und trockener, der pH-Wert steigt, und schützende Bakterien wie Laktobazillen gehen teilweise verloren. Krankmachende Bakterien können dadurch leichter Fuß fassen, und das Risiko für wiederkehrende Harnwegsinfekte steigt.
Lokal aufgetragene Östrogencreme kann dieses Risiko deutlich senken. Fünf Studien mit insgesamt 1936 Frauen zeigen, dass die Zahl wiederkehrender Infekte im Vergleich zu Placebo um rund 58 % zurückgeht. Der Effekt ist klar und konsistent. Die Creme senkt außerdem den vaginalen pH-Wert, was wahrscheinlich eine der Erklärungen ist: Ein niedrigerer pH macht das Milieu für schädliche Bakterien ungünstiger.
Höhere Wochendosierungen von 850 Mikrogramm oder mehr scheinen in den vorliegenden Studien zu besserem Schutz zu führen, wobei 51 bis 100 % der Frauen während der Nachbeobachtungszeit infektionsfrei blieben. Dazu gibt es bisher nur wenige Studien, sodass sich die ideale Dosierung noch nicht genau bestimmen lässt.
Östrogen als Tablette wirkt bei diesem Problem nicht. Drei Studien mit 2766 Frauen sahen keinen Unterschied zu Placebo. Es spricht also vieles dafür, dass der Effekt lokal entstehen muss: Die Creme wirkt direkt auf die Schleimhaut, nicht über den Blutkreislauf.
Nebenwirkungen der Creme wie Reizungen, Juckreiz oder Brennen werden zwar berichtet, traten in den Studien aber nicht häufiger auf als unter Placebo. Schwerwiegende Beschwerden scheinen selten zu sein. Wenn du unsicher bist, ob die Creme für dich infrage kommt, sprich das mit deiner Hausärztin oder deinem Gynäkologen an.
Diese Antwort stützt sich auf eine Metaanalyse von fünf Studien mit 1936 Teilnehmerinnen zur lokalen Creme sowie drei Studien mit 2766 Teilnehmerinnen zur oralen Variante. Die Forschenden bewerteten die Evidenzlage für den Hauptbefund (Risikoreduktion wiederkehrender Infekte) als moderat stark, für Dosierung und Nebenwirkungen hingegen als gering. Der Mechanismus über den vaginalen pH-Wert ist bislang nur durch zwei Studien belegt.