Ist Jo-jo-Diäten, also das ständige Abnehmen und Zunehmen, schädlich für mich?
Jo-jo-Diäten haben reale biologische Nachteile, darunter ein niedrigerer Stoffwechsel und Fettgewebe, das empfindlicher auf Gewichtszunahme zu reagieren scheint. Belastbare Langzeitstudien am Menschen fehlen aber noch. Wenn du übergewichtig bist, ist es sinnvoller, weiter abzunehmen zu versuchen, als aus Angst vor dem Jo-jo-Effekt ganz aufzugeben.
Jo-jo-Diäten haben einen konkreten biologischen Nachteil: Fettzellen scheinen eine Art Gedächtnis früherer Phasen mit Übergewicht aufzubauen. Dieses Gedächtnis steckt in der Art, wie Gene im Fettgewebe an- oder abgeschaltet sind, ohne dass sich die DNA selbst verändert. Bei Mäusen führte das dazu, dass Tiere, die früher übergewichtig gewesen waren, nach einer erneuten schlechten Ernährung deutlich schneller zunahmen als Mäuse ohne diese Vorgeschichte. Ob das beim Menschen genauso funktioniert, ist noch nicht belegt, aber der Mechanismus ist biologisch plausibel.
Hinzu kommt, dass Diäten den Ruhestoffwechsel senken: Die Anzahl der Kalorien, die dein Körper in Ruhe verbrennt, nimmt ab. Das macht es nach einer Diät schwerer, das Gewicht zu halten. Diese Kombination aus niedrigerem Stoffwechsel und empfindlicherem Fettgewebe legt den Grundstein für das klassische Jo-jo-Muster.
Große Bevölkerungsstudien sehen einen Zusammenhang zwischen stark schwankendem Gewicht und einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit. Dabei gibt es jedoch einen wichtigen Haken: Studien unterscheiden selten zwischen bewusstem Diäten und unbeabsichtigtem Gewichtsverlust durch Krankheit. Ungewolltes Abnehmen aufgrund einer Grunderkrankung erklärt einen Teil dieser erhöhten Sterblichkeit. Es handelt sich also um Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursache-Wirkungs-Beziehungen.
Zwei häufig gehörte Befürchtungen sind weniger gut belegt. Dass Jo-jo-Diäten dauerhaft Muskelmasse abbauen, bestätigen die vorliegenden Studien nicht: Bei übergewichtigen britischen Frauen, die mehrere Runden einer sehr kalorienarmen Diät absolvierten, war kein dauerhafter Muskelmasseverlust nachweisbar. Und für die Leber gilt: In Mausstudien verursachten Jo-jo-Diäten weniger Leberentzündungen als dauerhaft schlechte Ernährung, wobei sich diese Tierstudien nicht direkt auf den Menschen übertragen lassen.
Psychologisch ist das Bild weniger positiv: Menschen mit Jo-jo-Muster berichten häufiger von Unzufriedenheit mit ihrem Körper, geringerem Selbstwertgefühl und einer höheren Wahrscheinlichkeit für Essanfälle. Das sind observationelle Zusammenhänge, aber sie sind konsistent. Schließlich kam ein offizielles amerikanisches Expertengremium zu dem Schluss, dass die belegten Nachteile des Jo-jo-Diätens nicht schwer genug wiegen, um Menschen mit starkem Übergewicht zu raten, Abnehmversuche ganz aufzugeben. Die Vorteile selbst eines moderaten Gewichtsverlusts überwiegen für diese Gruppe.
Die Aussagen basieren auf Mausstudien (epigenetisches Gedächtnis, Leberentzündung), observationellen Bevölkerungsstudien (Sterblichkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen), einer kleinen klinischen Studie (Muskelmasse), einer Übersichtsstudie bei afroamerikanischen Frauen (Psychologie, Blutdruck) sowie einem Konsensusbericht (National Task Force on Obesity, 1994). Große randomisierte Studien am Menschen zu den Langzeitschäden des Jo-jo-Diätens liegen nicht vor.