Kann ein epigenetischer Alterstest wirklich zeigen, wie alt dein Körper ist?
Ein epigenetischer Alterstest liefert einen ernstzunehmenden Hinweis auf biologische Alterung, ist aber noch kein abschließendes Urteil über deine Gesundheit. Nutze das Ergebnis als Gesprächsgrundlage mit deinem Arzt – nicht als endgültigen Befund.
Horvaths epigenetische Uhr wurde an mehr als 8.000 Gewebeproben aus 51 verschiedenen gesunden Geweben und Zelltypen validiert. Seitdem kamen neuere Modelle hinzu, darunter PhenoAge und GrimAge. PhenoAge sagt Sterblichkeit, Krebs, Demenz und körperliche Leistungsfähigkeit zuverlässiger voraus als ältere Versionen. Krebsgewebe zeigte im Vergleich zu gesundem Gewebe derselben Person im Schnitt 36 Jahre mehr epigenetische Alterung – ein Beleg dafür, wie stark die Ausschläge ausfallen können.
Menschen, deren epigenetisches Alter über ihrem kalendarischen liegt, haben ein erhöhtes Risiko für frühen Tod, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes. Dieser Zusammenhang taucht bei mehreren Uhrtypen auf, wobei die Stärke des Effekts je nach Modell variiert. Welches Risiko dabei herauskommt, hängt also davon ab, welche Uhr verwendet wurde und wie die Messung erfolgte. Übergewicht, eine HIV-Infektion und das männliche Geschlecht gehen auf mindestens einer der Uhren mit einem beschleunigten biologischen Alter einher.
Ernsthafte Einschränkungen bestehen allerdings: Belastbare Langzeitstudien im großen Maßstab fehlen bisher. Dazu kommt ein technisches Problem: Sind in einer Blutprobe verschiedene Zelltypen gemischt, kann das Ergebnis verzerrt und schwerer deutbar werden. Außerdem sind alle gefundenen Verbindungen Assoziationen, keine bewiesenen Ursache-Wirkungs-Ketten. Ein niedrigeres epigenetisches Alter bedeutet also nicht automatisch ein längeres Leben.
Lebensstil, Ernährung, Genetik und Krankheit beeinflussen die Messung. Das macht den Test empfindlich für das, was gerade in deinem Leben passiert. Ein Vorteil: Interventionen werden im Prinzip sichtbar. Ein Nachteil: Alltägliche Schwankungen können das Ergebnis verändern, ohne dass sich an deiner Gesundheit wirklich etwas verbessert hat. Als Bewertungsinstrument für Maßnahmen gegen das Altern werden diese Uhren zwar zunehmend eingesetzt, doch die dafür nötigen Methoden stecken noch in der Entwicklung.
Die Aussagen stützen sich auf sieben Quellen, darunter ein systematisches Review von 156 Publikationen sowie mehrere Validierungsstudien. Alle Zusammenhänge sind assoziativ; RCT-Belege für Kausalität liegen nicht vor.