Lässt sich das epigenetische Alter durch Ernährung beeinflussen?
Gesunde Ernährung hängt mit einem niedrigeren epigenetischen Alter zusammen – ob eine Ernährungsumstellung die Uhr tatsächlich zurückstellt, ist jedoch noch nicht gut belegt. Auf einen Grund zu warten gibt es trotzdem nicht: Eine gesunde Ernährungsweise hat ohnehin nachgewiesene Vorteile für die Gesundheit.
Wer sich gesünder ernährt, weist im Durchschnitt niedrigere Werte auf epigenetischen Alterungsuhren auf – darunter die GrimAge-Uhr, die besonders zuverlässig das Sterberisiko und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorhersagt. Dieses Muster zeigt sich konsistent in mehreren Beobachtungsstudien. Aber Vorsicht: Es handelt sich um Zusammenhänge auf Bevölkerungsebene. Ob eine Ernährungsumstellung bei dir persönlich die Uhr zurückstellt, lässt sich daraus nicht mit Sicherheit ableiten.
Eine kleine randomisierte Studie geht über bloße Zusammenhänge hinaus. Darin absolvierten 43 gesunde Männer zwischen 50 und 72 Jahren acht Wochen lang ein intensives Programm aus spezieller Ernährung, Schlafbegleitung, Bewegung, Entspannung, Probiotika und zusätzlichen Pflanzenstoffen. Am Ende lag ihr epigenetisches Alter im Schnitt 3,23 Jahre niedriger als in der Kontrollgruppe. Das klingt greifbar, doch die Studie hat klare Schwächen: Sie war klein, dauerte nur acht Wochen, umfasste ausschließlich Männer, und zwei der Forschenden hatten ein finanzielles Interesse am Programm. Außerdem erreichte die Abnahme innerhalb der Interventionsgruppe selbst die Schwelle zur statistischen Signifikanz nicht.
Gleichzeitig zeigen dieselben Übersichtsarbeiten, dass eine westliche Ernährungsweise, Übergewicht und Bewegungsmangel mit beschleunigter epigenetischer Alterung einhergehen. Das macht es biologisch plausibel, dass Ernährung in beide Richtungen wirkt – auch wenn der kausale Nachweis bislang noch begrenzt ist.
Welche konkrete Ernährungsform am stärksten wirkt, lässt sich aus den vorliegenden Studien nicht eindeutig beantworten. Das kombinierte Programm der randomisierten Studie enthielt so viele Komponenten gleichzeitig, dass sich nicht isolieren lässt, was den größten Beitrag geleistet hat. Die zugrunde liegenden Mechanismen und die Übertragung auf praktische Lebensstilempfehlungen sind nach wie vor Gegenstand aktiver Forschung.
Basiert auf einer kleinen randomisierten Studie (n=43, PMID 33844651), zwei Übersichtsarbeiten (PMID 37211319, 35726002) und zwei assoziativen Bevölkerungsstudien (PMID 30669119, 33219329). Große unabhängige randomisierte Studien liegen bislang nicht vor. Zwei Autorinnen und Autoren von PMID 37211319 sind bei einem kommerziellen Longevity-Unternehmen angestellt; zwei Autorinnen und Autoren von PMID 33844651 haben ein finanzielles Interesse an der untersuchten Intervention.