Kurbelt kaltes Duschen oder ein Eisbad deinen Stoffwechsel an?
Eine kalte Dusche oder ein Eisbad kurbelt den Stoffwechsel kurzfristig an, doch Belege für einen langfristigen Gewichtsverlust fehlen. Wer es ausprobieren möchte, sollte wissen, dass es bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine zusätzliche Belastung darstellt.
Kaltes Wasser treibt deinen Energieverbrauch während des Kontakts deutlich in die Höhe. Eine klinische Studie zeigte, dass das Eintauchen in 14°C kaltes Wasser den Energieverbrauch gegenüber dem Ruhezustand um rund 350% steigerte. Schon bei 20°C betrug der Anstieg 93%. Sobald du wieder aufgewärmt bist, fällt der Verbrauch auf das normale Niveau zurück.
Dieser vorübergehende Anstieg geht vor allem auf Stresshormone wie Noradrenalin und Adrenalin zurück, die der Kältereiz ausschüttet. Sie aktivieren das Nervensystem und treiben den Stoffwechsel kurzfristig an. Bei 14°C Wassertemperatur stieg Noradrenalin um 530% und Dopamin um 250%, wie dieselbe klinische Studie belegt.
Kälte aktiviert außerdem braunes Fettgewebe, eine Fettart, die Wärme erzeugt statt Energie zu speichern. Bei fast allen Studienteilnehmern ließ sich dieses Gewebe durch Kälte aktivieren, und seine Zuckeraufnahme lag 10- bis 15-mal höher als bei Zimmertemperatur. Ein Review fand allerdings keine überzeugenden Belege dafür, dass Eisbäder oder kalte Duschen tatsächlich zu Gewichtsverlust führen. Verbesserungen im Zuckerstoffwechsel wurden zwar beobachtet, der Einfluss auf das Körpergewicht bleibt aber unklar.
Ein Zusammenhang zwischen dauerhaft beheizten Umgebungen und weniger aktivem braunem Fettgewebe wurde vorgeschlagen, was langfristig möglicherweise zu Übergewicht beitragen kann. Dabei geht es um monatelange bis jahrelange Kälteexposition in der Umgebungstemperatur, nicht um eine kalte Dusche am Morgen. Dazu liegen bisher nur Mäusedaten vor.
14°C kaltes Wasser erhöht Herzfrequenz und Blutdruck leicht. Für gesunde Menschen ist das kein Problem, aber bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck stellt ein Eisbad eine zusätzliche Belastung für Herz und Gefäße dar. Sprich in dem Fall vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Evidenz basierend auf klinischen Studien (PMID 10751106, 2789570, 19357405), Reviews (PMID 21157334, 27165258, 29101739, 11031697) und Tierversuchen an Mäusen (PMID 26496606). Keine Metaanalysen verfügbar. Die Humanstudien sind vom Umfang her begrenzt.