Wie kannst du deinen Stoffwechsel ankurbeln oder verbessern?
Du kannst deinen Stoffwechsel beeinflussen, aber die Effekte sind geringer, als populäre Versprechen glauben machen. Die meisten Gewinne stecken in mehr Alltagsbewegung, mehr Eiweiß in der Ernährung und regelmäßigem Sport, nicht in speziellen Nahrungsergänzungsmitteln oder Tricks mit der Mahlzeitenfrequenz.
Alltägliche Bewegung, die du kaum als Sport wahrnimmst, fällt stark ins Gewicht. Der Weg zum Supermarkt, ein Stehschreibtisch, Gartenarbeit oder das bloße Wippen mit dem Fuß: Die Summe all dieser kleinen Aktivitäten bestimmt zu einem großen Teil, wie viel Energie du täglich verbrauchst. Dein Körper passt das sogar automatisch an: Isst du mehr, nimmt diese spontane Bewegung zu; isst du weniger, sinkt sie von selbst. Damit ist sie einer der stärksten, aber am meisten unterschätzten Hebel.
Was du isst, beeinflusst auch, wie viel Energie dein Körper für die Verdauung aufwendet. Eiweiß und Kohlenhydrate kosten mehr Energie zu verarbeiten als Fett. Größere Mahlzeiten erzeugen einen höheren Wärmeeffekt als viele kleine Häppchen über den Tag verteilt, anders als oft behauptet. Ein fettarmes, pflanzliches Ernährungsmuster steigert diesen Wärmeeffekt zusätzlich. Die verbreitete Behauptung, kohlenhydratarme oder ketogene Diäten würden den Stoffwechsel besonders befeuern, stimmt dagegen nicht: Bei gleicher Kalorienzufuhr liefert eine fettarme Ernährung im Schnitt 26 Kilokalorien pro Tag mehr Energieverbrauch und 16 Gramm pro Tag mehr Fettverlust als eine kohlenhydratarme. Gering, aber in die entgegengesetzte Richtung, als viele denken.
Regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining hilft außerdem, die Stoffwechselverlangsamung abzumildern, die zum Altern gehört. Eine Hormonersatztherapie wird in den meisten Fällen nicht empfohlen, weil die Risiken den Nutzen überwiegen; Bewegung und eine leicht kalorienreduzierte Ernährung sind der empfohlene Weg. Sport regt zudem die Bildung des Hormons Irisin an, das in Mausstudien Fettspeicherung in Fettverbrennung umwandelte. Dazu gibt es bisher nur Mäusedaten.
Wer abnehmen möchte, sollte einen störenden Gegeneffekt kennen: Der Körper verlangsamt seinen Stoffwechsel beim Gewichtsverlust stärker, als man allein durch das niedrigere Körpergewicht erwarten würde. Das macht langfristiges Abnehmen schwieriger. Gut konzipierte Studien fanden diesen Effekt allerdings kleiner oder kaum vorhanden, und nach einer Phase stabilen Gewichts scheint er sich zu verringern. Körperliche Aktivität ist der am besten belegte Faktor, um ein erreichtes Gewicht dauerhaft zu halten.
Nahrungsergänzungsmittel wie Nicotinamidribosid werden mit dem Versprechen verkauft, den Stoffwechsel zu verbessern. In Mausstudien steigerten sie die Energieproduktion in den Zellen und schützten vor den Folgen einer fettreichen Ernährung. Alle diese Ergebnisse stammen aus Tier- und Zellversuchen, und beim Menschen zeigen die vorliegenden klinischen Studien keinen vergleichbaren Effekt. Kaufe sie nicht allein auf Grundlage der Tierdaten.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere Reviews und kontrollierte Ernährungsstudien, darunter eine systematische Auswertung von 32 kontrollierten Ernährungsstudien zur Diätzusammensetzung sowie einen systematischen Review zur adaptiven Thermogenese. Die Befunde zu spontaner Alltagsbewegung, Ernährungszusammensetzung, Training im Alter und Diättyp beruhen auf weitgehend konsistenter Evidenz aus Humanstudien. Die Irisin-Forschung und die Evidenz zu NAD-Nahrungsergänzungsmitteln basieren überwiegend auf Tierversuchen; die Forschenden selbst weisen auf die begrenzte Übertragbarkeit hin. Bei der adaptiven Thermogenese bewerteten die Studienautoren die Qualität der meisten eingeschlossenen Studien als moderat, und gut konzipierte Studien fanden geringere Effekte.