Macht es Sinn, meine Hormone testen zu lassen, wenn ich mich schlapp fühle?
Tests auf Schilddrüsen- und Nebennierenfunktion können sinnvoll sein, wenn du dich schlapp fühlst. Ein breit angelegtes Hormon-Screening ohne gezielten Anlass bringt dagegen in der Regel nichts. Besprich deine Beschwerden mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt, die oder der einschätzen kann, welche Tests für dich wirklich relevant sind.
Zwei hormonelle Ursachen von Schlappheit sind gut belegt und einen Test wert: eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und eine Nebennierenrindeninsuffizienz. Hypothyreose betrifft etwa 1 von 300 Menschen, häufiger Frauen und ältere Personen, und äußert sich neben Müdigkeit auch durch Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit und trockene Haut. Ein einziger Bluttest mit TSH und freiem T4 ist dafür zuverlässig genug. Stimmt das Ergebnis mit dem Krankheitsbild überein, spricht die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen in der Regel gut an.
Nebennierenrindeninsuffizienz, bei der die Nebennieren zu wenig Cortisol produzieren, ist seltener: weniger als 1 von 3.000 Menschen. Die Beschwerden können aber erheblich sein, darunter ausgeprägte Erschöpfung und niedriger Blutdruck. Eine Cortisolmessung am frühen Morgen gegen acht Uhr ist der erste Schritt. Liegt der Wert unter einem bestimmten Schwellenwert, folgt ein Bestätigungstest. Auch ein Ausfall der Hypophyse, der hormonellen Steuerzentrale im Gehirn, kann Schlappheit verursachen, begleitet von Kälteempfindlichkeit und bei Männern von verminderter Libido. Das erfordert die Messung mehrerer Hormonspiegel und manchmal eine MRT-Untersuchung.
Wenn du Leistungssport treibst und dich trotz Ruhetagen ausgelaugt fühlst, kann ein Übertrainingssyndrom eine Rolle spielen. Die Hormonspiegel können dabei verändert sein, doch es gibt keinen Test, der das zuverlässig nachweist. Ärzte stellen diese Diagnose erst, nachdem andere Ursachen, darunter Schilddrüsen- und Nebennierenprobleme, ausgeschlossen wurden.
Ein breites hormonelles Screening ohne konkreten Anlass bringt wenig. Es gibt keine Evidenz dafür, dass ein umfangreiches Hormonpanel bei unspezifischer Müdigkeit mehr leistet als gezielte Einzeltests. Die meisten Ursachen von Schlappheit, von Schlafmangel über Eisenmangel bis hin zu Depressionen, liegen außerhalb des hormonellen Bereichs. Ein gutes Gespräch mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt über deine Beschwerden hilft dabei festzustellen, welche Tests wirklich sinnvoll sind.
Basierend auf fünf Quellen (PMID 33983002, 40522647, 17077946, 23247672, 34496702). Die Evidenz für Schilddrüsentests ist am stärksten. Die Diagnose von Nebennieren- und Hypophysenerkrankungen ist mäßig belegt. Für das Übertrainingssyndrom gibt es begrenzte Evidenz und keinen zuverlässigen Hormonmarker. Ein breites Screening ist nicht durch Evidenz gestützt.