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Sind Bildschirme und wenig Tageslicht wirklich für die Zunahme von Kurzsichtigkeit verantwortlich?

Moderate Evidenz

Bildschirme sind wahrscheinlich nicht der Hauptschuldige; zu wenig Zeit im Freien und hoher Bildungsdruck sind besser belegte Ursachen. Sorge dafür, dass dein Kind täglich ausreichend Zeit draußen verbringt, besonders in jungen Jahren.

Kurzsichtigkeit bei Kindern hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, und die Kombination aus wenig Zeit im Freien und viel Naharbeit ist dafür die plausibelste Erklärung. Die stärkste Evidenz betrifft die Zeit im Freien: Jede zusätzliche Stunde pro Tag draußen senkte das Kurzsichtigkeitsrisiko um etwa 10 Prozent (Odds Ratio 0,90). Randomisierte Studien und genetische Untersuchungen, die Ursache und Wirkung voneinander trennen, bestätigen, dass es sich um einen echten kausalen Zusammenhang handelt und nicht nur um eine Korrelation.

Bildschirme selbst spielen wahrscheinlich eine geringere Rolle, als du vermuten würdest. Eine Analyse von fünf Studien ergab eine gepoolte Odds Ratio von 1,02, was statistisch nicht signifikant ist. Bildschirmnutzung und wenig Zeit im Freien treten häufig gemeinsam auf, was es schwer macht, die Effekte getrennt zu messen. Neuere Studien deuten zwar auf einen Trend hin, doch in den meisten Fällen fehlen objektive Messungen der tatsächlichen Bildschirmzeit.

Naharbeit wie Lesen und Schreiben wird seit Jahrzehnten diskutiert. Frühe Studien fanden kaum einen Zusammenhang. Neuere Studien zeigen ein erhöhtes Risiko bei einem Leseabstand unter 30 Zentimetern und zusammenhängendem Nahsehen von mehr als 30 Minuten. Wie Naharbeit gemessen wird, entscheidet maßgeblich darüber, ob überhaupt ein Zusammenhang nachweisbar ist. Mehr Schuljahre und höherer Bildungsdruck sind durch genetische Studien hingegen klar kausal mit Kurzsichtigkeit verknüpft.

Dass Tageslicht der entscheidende Faktor ist, zeigt sich auch daran, dass Sport in der Halle keinen Schutz bietet. Körperliche Bewegung hilft nicht; es kommt auf den Aufenthalt im Tageslicht an. Die Lockdowns während der Corona-Pandemie liefern ein eindrückliches Beispiel: Bei 6-jährigen Kindern in China stieg die Kurzsichtigkeitsprävalenz von 5,7 Prozent auf 21,5 Prozent im Jahr 2020, verglichen mit den Jahren 2015 bis 2019. Bei Kindern ab 9 Jahren war dieser Anstieg deutlich geringer, was darauf hindeutet, dass junge Kinder in einer kritischen Phase der Augenentwicklung besonders empfindlich sind. Ein historisches Beispiel unterstreicht dieses Bild: In arktischen Inuit-Gemeinschaften stieg Kurzsichtigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg von unter 3 Prozent auf über 50 Prozent in nachfolgenden Generationen, zeitgleich mit einem erzwungenen Übergang zu Innenräumen und intensivem Schulunterricht.

Die Belege
7 Studien · 2 systematische Reviews

Diese Antwort stützt sich auf mehrere große Studien mit Kindern, darunter randomisierte Studien und genetische Untersuchungen, die Ursache und Wirkung zuverlässiger trennen können als reine Beobachtungsdaten. Für die Zeit im Freien ist die Evidenzlage am stärksten. Für Bildschirmnutzung allein ist sie gering und widersprüchlich. Die Lockdown-Daten stammen aus einer einzelnen chinesischen Studie mit methodischen Einschränkungen, unter anderem fehlten spezifische Augenmessungen, weshalb diese Befunde mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Zuletzt geprüft: September 2026 · wie das beurteilt wurde
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