Stärkt kaltes Duschen dein Immunsystem?
Kaltes Duschen verbessert die Immunabwehr aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf messbare Weise – die Hinweise sind zu schwach und zu widersprüchlich, um darauf aufzubauen. Wer es genießt, muss nicht damit aufhören, sollte aber keinen verlässlichen Schutz vor Erkältungen erwarten.
Kaltes Duschen oder Eintauchen in kaltes Wasser löst unmittelbar danach einen kurzen Anstieg von Entzündungsmarkern im Blut aus. Das ist eine normale Stressreaktion des Körpers – kein Zeichen dafür, dass dein Immunsystem davon profitiert. Der Anstieg klingt rasch wieder ab.
Für einen direkten Effekt auf das Immunsystem gibt es kaum Belege. Eine große Analyse von elf Studien mit über dreitausend Teilnehmern fand keinen messbaren Einfluss auf Immunmarker nach Kältereizen. Es gab zwar einen Hinweis, dass Menschen, die kalt duschen, 29 % weniger krankheitsbedingte Fehltage haben – aber dieser Befund basiert auf sehr wenigen Studien mit kleinen Stichproben und lässt daher keine belastbaren Schlüsse zu.
Sechs Wochen lang dreimal wöchentliches Kaltwassereintauchen zeigte bei jungen, sportlichen Männern eine leichte Aktivierung bestimmter Immunzellen. Die meisten gemessenen Immunwerte blieben jedoch unverändert, und was diese kleine Verschiebung im Alltag tatsächlich bedeutet, ist unklar.
Kaltwassereintauchen in Kombination mit Meditation und speziellen Atemtechniken scheint die Entzündungsreaktion bei einer experimentellen Bakterieninfektion abzuschwächen. In dieser Untersuchung wurden allerdings drei Methoden gleichzeitig angewendet, sodass sich die Kälte nicht als alleinige Ursache ausmachen lässt.
Berichte über seltener und kürzer auftretende Erkältungen durch kaltes Duschen stammen überwiegend aus Fragebogenstudien, bei denen sich die Teilnehmer selbst angemeldet haben. Diese Menschen führen wahrscheinlich ohnehin einen gesünderen Lebensstil. Festgestellt wurde bislang auch, dass kurzes Kaltwassertauchen nicht akut krank macht – ein Nachweis, dass es die Abwehrkräfte tatsächlich stärkt, fehlt aber.
Basierend auf einer systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse (PMID 39879231, 11 RCTs, n=3177), zwei kleineren experimentellen Studien (PMID 8925815, n≈32; PMID 24799686, n=24), einer Beobachtungsstudie mit Fragebogendesign (PMID 38509857) sowie drei weiteren kleineren experimentellen Studien (PMID 33910456, 32880050, 34428265). Die Evidenzlage ist uneinheitlich und in weiten Teilen durch geringe Stichprobengrößen und methodische Schwächen begrenzt.