Stärkt kaltes Duschen dein Immunsystem?
Kaltes Duschen regt das Immunsystem messbar an, aber ob du dadurch seltener krank wirst, ist nicht belegt. Bis bessere Studien vorliegen, spricht nichts dagegen, es zu tun, wenn du es angenehm findest. Als Schutz vor Infektionen solltest du es aber nicht einkalkulieren.
Nach 6 Wochen Kaltwasserbaden (14 °C, dreimal pro Woche) stieg der Anteil bestimmter weißer Blutkörperchen leicht, aber messbar. Antikörperspiegel und die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen blieben unverändert. Was diese kleine Verschiebung für dein Erkältungs- oder Gripperisiko bedeutet, lässt sich bisher nicht sagen.
Eine einmalige kurze Kaltwasserimmersion bei 14 °C trieb Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin deutlich in die Höhe. Die Effekte auf das Immunsystem waren gemischt: weniger von einem Entzündungsbotenstoff (TNF-alfa), gleichzeitig aber auch weniger Lymphozyten, also jener Zellen, die Infektionen bekämpfen. Innerhalb von 48 Stunden erkrankte niemand, doch dieses Zeitfenster ist zu kurz, um das zuverlässig beurteilen zu können.
Die bekannte Wim-Hof-Studie zeigte nach einem 10-tägigen Trainingsprogramm eine deutlich gedämpfte Entzündungsreaktion auf ein experimentell verabreichtes bakterielles Gift. Das Programm bestand allerdings aus drei Bausteinen: Kaltwasserbaden, Meditation und Atemübungen. Welchen Anteil die Kälte allein daran hatte, lässt sich nicht herausrechnen, weshalb sich dieses Ergebnis nicht auf kaltes Duschen allein übertragen lässt.
Menschen, die nach eigenen Angaben regelmäßig kalt duschen oder in kalten Gewässern schwimmen, berichten in Fragebögen über kürzere und mildere Erkältungen. Das sind jedoch selbst gemeldete Daten aus Online-Umfragen ohne objektive Messung tatsächlicher Infektionen. Wer freiwillig in eiskaltes Wasser steigt, unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von Menschen, die das nicht tun, sodass sich Ursache und Wirkung hier nicht trennen lassen.
Es gibt also biologische Hinweise darauf, dass Kälte das Immunsystem anregt, aber kontrollierte Studien, die zeigen, dass das auch zu weniger oder kürzeren Infektionen führt, fehlen. Erschwerend kommt hinzu, dass Kälte gleichzeitig die angeborene Abwehr leicht stimulieren und die erlernte, spezifische Abwehr dämpfen kann, je nachdem wie schnell jemand auskühlt.
Quellen: acht Studien, davon zwei mit moderater Evidenzstärke (eine randomisierte Studie zur Ironman-Erholung, eine zur Wim-Hof-Methode), der Rest mit begrenzter oder unzureichender Evidenz. Keine einzige Studie misst im kontrollierten Setting, ob kaltes Duschen allein das tatsächliche Auftreten von Infektionen beeinflusst.