Steckt Rapamycin in Lebensmitteln, oder kann man es auf natürlichem Weg aufnehmen?
Rapamycin steckt nicht in Lebensmitteln und lässt sich nicht über die Ernährung aufnehmen. Wer den mTOR-Weg über den Lebensstil beeinflussen möchte, kann über Ernährungsweisen nachdenken, die diesen Weg weniger stark aktivieren, doch das ist etwas grundlegend anderes als Rapamycin selbst.
Rapamycin ist kein Nährstoff. In keiner der ausgewerteten Studien wird es als Substanz beschrieben, die sich über Essen oder Trinken aufnehmen lässt. Ursprünglich wurde Rapamycin aus einem Bakterium isoliert, das auf der Osterinsel entdeckt wurde. Es wird ausschließlich als Arzneimittel oder Forschungssubstanz eingesetzt, nicht als Lebensmittelbestandteil.
Was die Ernährung allerdings tatsächlich beeinflusst, ist der Signalweg, an dem Rapamycin angreift: mTORC1, ausgeschrieben 'mechanistic target of rapamycin complex 1'. Die Aminosäure Leucin, die natürlicherweise in eiweißreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten vorkommt, aktiviert genau diesen Weg. Das ist jedoch das genaue Gegenteil von dem, was Rapamycin bewirkt: Das Medikament hemmt mTORC1. Leucin ist also keine natürliche Variante von Rapamycin, sondern wirkt funktionell betrachtet in die entgegengesetzte Richtung.
Auch langkettige Fettsäuren aus der Nahrung, etwa aus fettem Fisch oder pflanzlichen Ölen, können mTORC1 über Rezeptoren auf Zellmembranen aktivieren. Auch hier gilt: Es handelt sich um eine indirekte Wechselwirkung mit demselben Signalweg, doch diese Fettsäuren enthalten kein Rapamycin, und ihr Effekt zeigt in die entgegengesetzte Richtung.
Bestimmte Pflanzenstoffe, darunter Resveratrol (in roten Weintrauben), Quercetin (in Zwiebeln und Äpfeln) und Berberin (in verschiedenen Pflanzen der traditionellen chinesischen Medizin), werden in einem Abstract als Substanzen beschrieben, die den mTOR-Weg dämpfen können, was der Wirkrichtung von Rapamycin ähnelt. Die Evidenz dafür ist jedoch schwach: Die betreffende Studie zeigt lediglich Assoziationen, keinen Beleg dafür, dass diese Stoffe klinisch als Ersatz für Rapamycin wirken. Von einem 'natürlichen Rapamycin aus der Nahrung' kann keine Rede sein.
Alle Aussagen beruhen auf acht vorliegenden Abstracts (PMID 36722264, 27659301, 37681443, 38803274, 39595578, 26682004, 22643031, 34251643). Keines dieser Abstracts beschreibt Rapamycin als Lebensmittelbestandteil. Die Evidenzlage zur gestellten Frage ist damit unzureichend, da keine Studien vorliegen, die das Gegenteil belegen oder bestätigen.