Ist Fisch essen gut für Herz und Gehirn?
Zwei Portionen fetter Fisch pro Woche als Teil einer abwechslungsreichen, pflanzenreichen Ernährung – das ist für die meisten Menschen eine sinnvolle Wahl für Herz und Gehirn. Als einzelnes Schutzlebensmittel ist Fisch dagegen nicht belegt.
Fetter Fisch wie Lachs, Makrele und Thunfisch taucht in zahlreichen Studien als fester Bestandteil einer herzgesunden Ernährung auf. Den größten Anteil an diesem Schutzeffekt haben Omega-3-Fettsäuren: Sie dämpfen Entzündungsprozesse, während Fettsäuren aus Sonnenblumen- und Maisöl diese eher fördern1,2.
Was das Herz betrifft, ist die Studienlage gemischt. Eine Analyse zeigt, dass 200 mg Omega-3 täglich aus Fisch das Risiko eines plötzlichen Herztods um rund 50 % senken kann3. Eine große Studie mit 118.469 Teilnehmern über neun Jahre stellte fest, dass Menschen mit dem höchsten Fischkonsum 14 % weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelten – Fisch zählte dabei zu den einflussreichsten Lebensmittelgruppen4. Eine andere Studie mit knapp 30.000 Teilnehmern über neunzehn Jahre fand dagegen keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Fischessen und dem Risiko für Herzerkrankungen oder Sterblichkeit5. Als einzelnes Lebensmittel ist ein schützender Effekt von Fisch also nicht belegt.
Die stärkste Herzschutz-Evidenz gilt für das mediterrane Ernährungsmuster als Ganzes, zu dem Fisch gehört. Große randomisierte Studien wie PREDIMED, Lyon Heart und CORDIOPREV zeigen, dass dieses Gesamtmuster Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit tatsächlich reduziert6,7. Fisch im Rahmen einer abwechslungsreichen, pflanzenreichen Ernährung ist also gut belegt – Fisch als alleiniges Wundermittel hingegen nicht.
Fürs Gehirn sind Omega-3-Fettsäuren besonders bedeutsam. Hirngewebe nimmt sie bevorzugt auf und ist auf sie angewiesen – für die Entwicklung ebenso wie für den laufenden Erhalt. Mehrere Studien zeigen, dass ein Mangel mit kognitivem Abbau im Alter und mit sporadischer Alzheimer-Erkrankung zusammenhängt3,2. Dazu gibt es bisher allerdings vor allem Beobachtungsstudien und Tierversuche; große Studien am Menschen, die belegen, dass Fischkonsum Demenz tatsächlich verhindert, fehlen.
Große Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch und Hai können erhebliche Mengen Quecksilber enthalten. Für Schwangere ist das ein ernstzunehmendes Risiko, da Quecksilber die Hirnentwicklung des Ungeborenen beeinträchtigen kann2. Für die meisten anderen Menschen gelten zwei Portionen fetter Fisch pro Woche, möglichst aus kleineren Arten, als unbedenklich und wahrscheinlich vorteilhaft.
Die Evidenz stützt sich auf Beobachtungskohortenstudien – darunter eine mit 118.469 und eine mit rund 30.000 Teilnehmern – sowie auf mechanistische Forschung zu Omega-3-Fettsäuren. Für das mediterrane Ernährungsmuster als Ganzes liegen randomisierte Studien vor (PREDIMED, Lyon Heart, CORDIOPREV), doch diese beziehen sich auf das Gesamtmuster, nicht auf Fisch als Einzelkomponente. Große randomisierte Studien, die Fischkonsum direkt mit der kognitiven Leistung beim Menschen verknüpfen, existieren noch nicht.