Warum bin ich müde, obwohl ich lange geschlafen habe?
Trotz langem Schlaf müde aufzuwachen ist ein normales Phänomen namens Schlafträgheit – wobei der Aufwachzeitpunkt und abendlicher Bildschirmkonsum eine erkennbare Rolle spielen. Bildschirme vor dem Schlafengehen einzuschränken und Nickerchen kurz zu halten (rund 30 Minuten) hilft, die schlimmste Benommenheit zu vermeiden.
Wer trotz ausreichend Schlaf benommen aufwacht, erlebt das, was Schlafforscher Schlafträgheit nennen: eine Phase aus Schläfrigkeit und Verlangsamung, die direkt nach dem Aufwachen einsetzt. Denken und Reaktionsvermögen erholen sich größtenteils innerhalb von 30 Minuten. Die Bewegungskoordination und Feinmotorik können noch über 75 Minuten unter dem normalen Niveau bleiben.
Der Aufwachzeitpunkt spielt dabei eine wichtige Rolle. Wer früh am Morgen geweckt wird, kämpft mit stärkerer Schlafträgheit als jemand, der später aufsteht – selbst wenn beide gleich viele Stunden geschlafen haben. Es kommt also nicht nur auf die Schlafdauer an, sondern auch darauf, wann der Körper aus dem Schlaf gerissen wird.
Abendlicher Bildschirmkonsum – ob Smartphone, Fernseher oder Tablet – hängt statistisch mit stärkerer Schlafträgheit am nächsten Morgen und mehr Tagesmüdigkeit zusammen. Ob das eine direkte Ursache ist, lässt sich aus diesen Beobachtungsdaten nicht ableiten; der Zusammenhang selbst ist jedoch klar erkennbar.
Nach Nächten mit wenig oder schlechtem Schlaf, etwa nach einer Nachtschicht, fällt die Schlafträgheit deutlich stärker aus und kann bis zu einer Stunde nach dem Aufstehen anhalten. Auch ein langer Mittagsschlaf von 90 Minuten kann diesen Effekt auslösen, weil man dabei in Tiefschlafphasen abtaucht, aus denen das Aufwachen schwerer fällt. Ein kurzes Nickerchen von 30 Minuten hinterlässt dagegen kaum dieses benommene Gefühl.
Wer Nickerchen einplanen möchte, sollte sie kurz halten. Rund 30 Minuten reichen, um Müdigkeit zu reduzieren und die Wachheit zu steigern, ohne danach noch eine Viertelstunde benommen herumzulaufen. Die Vorteile eines kurzen Schlafs überwiegen die leichte Schlafträgheit, die damit einhergeht.
Basiert auf mehreren Studien mit mäßiger Evidenzstärke. Die meisten Befunde stammen aus Laboruntersuchungen oder Beobachtungsstudien; große randomisierte Studien zur Schlafträgheit sind rar. Der Zusammenhang mit Bildschirmkonsum ist assoziativ und nicht kausal belegt.