Was macht zu wenig Schlaf mit deinem Testosteronspiegel?
Vollständiger Schlafentzug von einem Tag oder länger senkt den Testosteronspiegel bei Männern nachweisbar. Eine einzelne schlechte Nacht hat wahrscheinlich wenig Wirkung. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus hängt stärker mit gesunden Testosteronwerten zusammen als die reine Schlafdauer.
Vollständiger Schlafentzug von mindestens 24 Stunden senkt den Testosteronspiegel gesunder Männer messbar. Viele Studien zusammen zeigen einen eindeutigen Rückgang. Das ist der klarste Zusammenhang, den die Forschung bislang gefunden hat.
Kurzfristiger, teilweiser Schlafmangel – die Art, die die meisten Menschen kennen – zeigt in denselben Studien keinen statistisch messbaren Effekt auf Testosteron. Der gemessene Rückgang war gering und könnte auch zufällig gewesen sein. Wer eine Nacht schlecht schläft, muss also nicht gleich einen Hormoneinbruch befürchten.
Was biologisch plausibel ist: Dauerhafter Schlafmangel kann über erhöhte Cortisolspiegel und andere Stressmechanismen Einfluss auf die testosteronproduzierenden Zellen haben. Auch die Kombination mit viel stark verarbeitetem Essen wird als möglicherweise nachteilig beschrieben. Das sind jedoch Hypothesen, keine gesicherten Erkenntnisse aus Studien am Menschen.
Ein auffälliger Befund dreht die erwartete Richtung um. Eine große genetische Studie zeigt, dass ein höherer Testosteronspiegel bei Männern zu kürzerem Schlaf führt – nicht umgekehrt. In dieser Studie fand sich kein Hinweis darauf, dass Schlafmangel den Testosteronspiegel in der Allgemeinbevölkerung senkt. Das bedeutet: Der Zusammenhang zwischen schlechtem Schlaf und niedrigerem Testosteron kann auch in die andere Richtung laufen, oder beide werden durch einen dritten Faktor angetrieben.
Extreme Bedingungen wie militärisches Feldtraining, bei dem Schlafmangel mit intensiver körperlicher Belastung und wenig Essen zusammenkommt, zeigen zwar starke Rückgänge beim Testosteron. In solchen Situationen lässt sich jedoch nicht bestimmen, was der Schlafmangel allein bewirkt.
Diese Antwort stützt sich auf eine zusammenfassende Auswertung von achtzehn Studien an gesunden Männern (insgesamt 252 Teilnehmer), eine große genetische Studie mit mehr als elftausend Personen, eine Bevölkerungsstudie mit über dreitausend Männern sowie zwei Übersichtsarbeiten. Die Studien zum vollständigen Schlafentzug sind relativ klein, aber konsistent. Die genetische Studie ist methodisch am stärksten – und weist ausgerechnet in die entgegengesetzte Richtung. Die Übersichtsarbeiten beschreiben Mechanismen, die biologisch plausibel, aber nicht durch Studien am Menschen belegt sind. Die Forschenden der Bevölkerungsstudie warnen selbst, dass ihre Ergebnisse nicht für die klinische Praxis geeignet sind.