Welche Impfungen gehören zum gesunden Altern?
Für gesundes Altern sind die Grippeimpfung (hohe Dosis), der Pneumokokken-Impfstoff, der Gürtelrose-Impfstoff und der RSV-Impfstoff für Menschen ab 60 gut belegt. Besprich mit deiner Hausarztpraxis oder Apotheke, welche davon du noch nicht erhalten hast.
Vier Impfstoffe haben die stärkste Evidenzbasis für Menschen ab 60 Jahren. An erster Stelle steht die Grippeimpfung: Influenza ist die Infektionskrankheit mit der höchsten Sterblichkeit in dieser Altersgruppe. Für ältere Menschen wirkt eine höhere Dosis besser als das Standardpräparat, weil das Immunsystem im Laufe der Jahre schwächer auf Impfreize reagiert. Dennoch erreicht Deutschland das WHO-Ziel einer Impfquote von 75 % bei Älteren nicht. Das gilt für viele andere Länder genauso.
Der Pneumokokken-Impfstoff schützt vor Bakterien, die schwere Lungenentzündungen und Blutvergiftungen auslösen können. Der Gürtelrose-Impfstoff beugt einer Gürtelrose-Erkrankung vor und verhindert die manchmal monatelangen Nervenschmerzen, die darauf folgen können. Beide Impfungen werden empfohlen, doch viele Ältere lassen sie aus, weil sie sich gesund fühlen und das Risiko unterschätzen. Eine Studie aus North Dakota zeigt, dass ältere Menschen den Gürtelrose-Impfstoff häufiger ablehnen als andere Impfungen.
RSV, das Atemwegsvirus, das vor allem als Kinderkrankheitserreger bekannt ist, ist auch für ältere Menschen gefährlich. 2023 wurden in den USA zwei Impfstoffe dagegen zugelassen. Eine Metaanalyse mehrerer Studien ergab einen Schutz von über 78 % gegen RSV-Lungenentzündung und von 87 % gegen schwere Verläufe, ohne nennenswert mehr Nebenwirkungen als unter Placebo. Ärzte empfehlen diesen Impfstoff im Einzelgespräch, besonders für Menschen ab 65; für die Gruppe der 60- bis 64-Jährigen ist die Kosteneffektivität weniger gesichert.
Die Tdap-Auffrischimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten in einem ist ebenfalls relevant. Keuchhusten tritt bei Erwachsenen und Älteren immer häufiger auf, weil der Schutz früherer Impfungen mit der Zeit nachlässt. Bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen kann Keuchhusten schwer verlaufen. Die Evidenz für die Auffrischimpfung bei Älteren ist allerdings schwächer als bei den anderen Impfstoffen; die vorliegenden Studien haben ein begrenztes Design. Mehrere Autoren der zugehörigen Publikation haben finanzielle Verbindungen zu einem Impfstoffhersteller, was bei der Einordnung der Ergebnisse berücksichtigt werden sollte.
Ein praktischer Vorteil: Mehrere Impfungen gleichzeitig zu erhalten ist sicher und spart Arztbesuche. Bei Kindern ist das seit Jahren Standard; bei Erwachsenen wird es noch zu selten so gehandhabt. Niedrigschwellige Orte wie Apotheken können dazu beitragen, die Impfquote zu steigern.
Alle Aussagen stützen sich auf Leitlinien, eine Metaanalyse (RSV) sowie beobachtende und deskriptive Studien. Für RSV liegt eine Metaanalyse mit quantitativen Effektgrößen vor. Die Empfehlungen zu Influenza, Pneumokokken und Gürtelrose basieren auf Leitlinien und deskriptiven Studien; in den vorliegenden Abstracts werden keine genauen Effektgrößen genannt. Die Evidenz für Tdap bei Älteren ist begrenzt, und es bestehen potenzielle Interessenkonflikte bei den beteiligten Autoren.