Wie verlässlich ist ein Speicheltest zur Bestimmung des biologischen Alters?
Ein Speicheltest zur Bestimmung des biologischen Alters über DNA-Methylierung liefert eine brauchbare Schätzung mit einem Fehler von rund 4 bis 5 Jahren, ist jedoch etwas weniger präzise als ein Bluttest und anfällig für Probenkontamination. Wer wissen möchte, wie schnell er biologisch altert, bekommt mit einer blutbasierten Messung derzeit das verlässlichere Ergebnis.
Ein validierter Test zur Bestimmung des biologischen Alters über DNA-Methylierung aus Wangenabstrichen kommt auf einen mittleren Fehler von rund 4,4 Jahren. Zum Vergleich: Derselbe Test an Blutproben erreicht etwa 4,0 Jahre. Der Unterschied ist gering, aber vorhanden. Die Ergebnisse waren über mehrere Labore hinweg reproduzierbar – allerdings muss jedes Labor das Protokoll zunächst selbst validieren, bevor es seinen Ergebnissen vertrauen darf.
Ein praktisches Problem, das bei kommerziellen Speicheltests kaum diskutiert wird, ist die Blutkontamination. Blut enthält die meisten Signalmoleküle in weit höheren Konzentrationen als Speichel, sodass selbst eine winzige Blutbeimischung die Messung erheblich verfälschen kann. Eine zuverlässige Methode, solche Verunreinigungen sicher zu erkennen, gibt es bislang nicht. Die Probenqualität hat damit einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis.
Jenseits der Altersbestimmung über DNA-Methylierung sieht es für Speicheltests deutlich ungünstiger aus. Speichel enthält im Vergleich zu Blut generell wenig Signalmoleküle. Bei der Diagnostik von Endometriose etwa ließen sich im Speichel nur 3 verwertbare Biomarker nachweisen, im Blut hingegen 13. Auch für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson ist Speichel bislang weit schlechter belegt als Blut oder Hirnflüssigkeit.
Eine Studie mit 230 Probanden fand, dass ein bestimmtes Protein im Speichel bei Alzheimer-Patienten erhöht ist und mit kognitivem Abbau zusammenhängt. Das ist ein erster, interessanter Hinweis, beruht aber auf einem einzigen Marker in einer einzigen Studie. Ob sich daraus etwas über biologisches Altern ableiten lässt, ist nicht belegt. Andere Speichelbiomarker für Hirnerkrankungen sind für den diagnostischen Einsatz noch nicht validiert.
Die Evidenz stützt sich auf eine forensische Validierungsstudie (VISAGE, mehrere Labore), eine Übersichtsarbeit zur Biomarkerqualität in Speichel, eine kleine Pilotstudie zu MicroRNAs (n=20), eine Studie zu Speichel-IL-34 bei Alzheimer (n=230) sowie zwei Reviews zu neurodegenerativen Erkrankungen. Große randomisierte kontrollierte Studien oder Metaanalysen zu diesem Thema liegen nicht vor.