Gefährlicher Pilz versteckt sich in Haarfollikeln, um dem Immunsystem zu entgehen
Ein arzneimittelresistenter Pilz, der zunehmend Krankenhauspatienten befällt, hat ein raffiniertes Versteck gefunden: den Haarfollikel. Dort entzieht er sich der Immunerkennung und überlebt noch lange nach einer Behandlung.
Candida auris ist ein pilzlicher Krankheitserreger, der sich weltweit in Krankenhäusern ausbreitet. Der Pilz ist bekannt für seine Resistenz gegenüber gängigen Antimykotika und befällt vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem, darunter ältere Erwachsene und Intensivpatienten. Eine neue Studie in Science beschreibt einen Mechanismus, mit dem der Pilz der normalen Immunerkennung entgeht.
Das Immunsystem erkennt Pilze normalerweise anhand von Molekülen auf deren Zellwänden. Eines dieser Moleküle ist Chitin, ein Zuckerpolymer, das auch in Insektenpanzern und Krebstieren vorkommt. Die Forschenden stellten fest, dass C. auris seine Chitin-Schicht so freilegen kann, dass eine spezifische Immunreaktion ausgelöst wird: die Produktion von Interferon-gamma (IFN-γ), einem Botenstoff, der Immunzellen aktiviert.
Der Haarfollikel als immunprivilegierter Ort
Diese Immunreaktion ist unter normalen Umständen schützend. Doch im Haarfollikel, einer kleinen Vertiefung in der Haut, aus der das Haar wächst, scheint der Pilz über längere Zeiträume überleben zu können. Haarfollikel werden von Immunzellen naturgemäß weniger stark überwacht, ein evolutionärer Kompromiss, der das Haarwachstum begünstigt, aber eine Schwachstelle gegenüber Infektionen schafft.
Das könnte erklären, warum C. auris bei Patienten so schwer zu eliminieren ist. Selbst nach einer Behandlung kann der Pilz in Haarfollikeln verbleiben und wiederkehrende Infektionen auslösen. Bei Menschen mit alterndem Immunsystem, bei denen die Kontrolle über opportunistische Infektionen nachlässt, ist das besonders besorgniserregend.
Neue Ansatzpunkte für die Behandlung
Die Entdeckung, dass die Chitin-Exposition und die IFN-γ-Reaktion bei diesem Vorgang eine Rolle spielen, eröffnet der Forschung neue Möglichkeiten. Eine gezielte Aktivierung von Immunreaktionen in Haarfollikeln oder die Unterbrechung der Überlebensstrategie des Pilzes sind denkbare Ansätze. Es handelt sich um frühe Grundlagenforschung, die auf Tier- und Zellmodellen basiert; klinische Anwendungen sind noch weit entfernt.
Aus der Perspektive der Langlebigkeitsforschung ist das Thema relevant, weil das Altern mit nachlassender Immunfunktion einhergeht und opportunistische Krankheitserreger wie C. auris dadurch gefährlicher werden. Die Überlebensstrategien solcher Erreger zu verstehen ist ein Schritt hin zu besserem Schutz für vulnerable ältere Erwachsene.
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