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Wirken funktionelle Pilze wie Reishi und Cordyceps wirklich?

Vorläufige Evidenz

Heilpilze wie Reishi zeigen im Labor vielversprechende Effekte, doch überzeugende Evidenz aus Humanstudien fehlt bislang. Achte außerdem auf die Art: Cordyceps militaris, die in Nahrungsergänzungsmitteln übliche Cordyceps-Form, ist in der EU nicht zugelassen und darf nicht verkauft werden. Die NVWA hat entsprechende Produkte 2025 vom Markt genommen. Bei Medikamenteneinnahme immer zuerst ärztlichen Rat einholen.

Reishi und verwandte Heilpilze enthalten Substanzen wie Beta-Glucane und Triterpene, die in Labor- und Tierversuchen interessante Effekte zeigen: Aktivierung von Immunzellen, Hemmung des Krebszellwachstums und Senkung des Blutzuckers. Diese Befunde sind konsistent und biologisch plausibel. Dazu gibt es bisher jedoch fast ausschließlich Labor- und Tierdaten, und der Sprung zu belegten Gesundheitsvorteilen beim Menschen ist kaum vollzogen.

Für Reishi als ergänzende Krebstherapie gibt es kleine klinische Studien mit vorsichtig positiven Signalen und ohne auffällige Nebenwirkungen. Die methodische Qualität dieser Studien ist jedoch schwach, und die Forschenden selbst kommen zu dem Schluss, dass die Ergebnisse für konkrete Empfehlungen nicht ausreichen. Bei Cordyceps, Löwenmähne, Chaga und ähnlichen Pilzen gilt dasselbe: Großangelegte, langfristige Studien am Menschen fehlen, um Wirksamkeit, Sicherheit und Dosierung zu belegen.

Hinzu kommt ein rechtlicher Aspekt, der vor allem Cordyceps betrifft. Die in Nahrungsergänzungsmitteln am häufigsten verwendete Art, Cordyceps militaris, ist in der EU ein nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel (sogenanntes Novel Food) und darf daher nicht als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Die niederländische Lebensmittelbehörde NVWA kontrollierte dies 2025 und ließ betroffene Produkte vom Markt nehmen. Nur Cordyceps sinensis verfügt über eine anerkannte Verzehrgeschichte und ist zugelassen. Bei Reishi und Löwenmähne ist die Fruchtkörperform erlaubt, aber Pulver aus Myzel, das auf Getreide kultiviert wird, fällt häufig unter dieselbe Zulassungspflicht.

Sicherheit ist ein konkretes Thema. Reishi kann den Blutzucker senken. Wer blutzuckersenkende Medikamente einnimmt, geht ein reales Risiko einer Unterzuckerung ein, wenn er gleichzeitig Reishi verwendet. Außerdem können biologisch aktive Verbindungen in Reishi mit Chemotherapeutika und anderen verschreibungspflichtigen Arzneimitteln wechselwirken. Nimmst du Medikamente auf Rezept, sprich das unbedingt zuerst mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke ab.

Die spannenden Laborbefunde machen Heilpilze zu einem aktiven Forschungsgebiet, beweisen aber nichts für gesunde Menschen, die ein Nahrungsergänzungsmittel kaufen möchten. Solide klinische Evidenz dafür, dass Reishi oder Cordyceps die Gesundheit nachweislich verbessern, gibt es derzeit nicht.

Die Belege
7 Studien

Die Wirksamkeitsaussagen stützen sich auf Übersichts- und Forschungsartikel (PMID 29141563, 27685898, 30334243, 28826695, 35997094, 37513265, 37183915); die Evidenz stammt überwiegend aus Labor- und Tierversuchen, die wenigen Humanstudien sind klein und methodisch schwach. Der Rechtsstatus ergibt sich aus den EU-Novel-Food-Vorschriften sowie der NVWA-Durchsetzungsmaßnahme gegen Cordyceps militaris (2025).

Zuletzt geprüft: September 2026 · wie das beurteilt wurde
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