Gehirngen APOE2 schützt Zellen vor DNA-Schäden
Manche Menschen tragen ein Gen, das sie offenbar vor Alzheimer und Gehirnalterung schützt. Neue Forschungsergebnisse zeigen, wie das funktioniert: durch die Verringerung von DNA-Schäden in Gehirnzellen und die Unterstützung von Neuronen bei der Erholung von Stress.
Bei dem betreffenden Gen handelt es sich um eine Variante von APOE, das für ein Protein kodiert, das am Fetttransport im Blut und im Gehirn beteiligt ist. Es gibt drei Hauptvarianten: APOE2, APOE3 und APOE4. Träger von APOE4 haben ein deutlich erhöhtes Alzheimer-Risiko. Träger von APOE2 scheinen dagegen geschützt zu sein. Warum das so ist, blieb bislang weitgehend ungeklärt.
Die Forscher zeigen, dass APOE2 Gehirnzellen dabei hilft, DNA-Schäden zu begrenzen. Neuronen von APOE2-Trägern weisen weniger Brüche und weniger Schäden in ihrem Erbgut auf. Zudem erholen sich diese Zellen schneller, wenn sie Stress ausgesetzt werden. Beide Mechanismen sind unmittelbar relevant für das Altern: DNA-Schäden häufen sich mit zunehmendem Alter an, während die Fähigkeit, sie zu reparieren, abnimmt.
Ein neuer Weg zur Behandlung
Der Befund eröffnet einen potenziellen Weg zu neuen Therapien. Wenn man versteht, wie APOE2 seinen schützenden Effekt entfaltet, könnten Forscher diesen bei Menschen nachahmen, die APOE4 tragen oder die schlicht ein erhöhtes Alzheimer-Risiko haben. Von mechanistischer Erkenntnis bis zu einer funktionierenden Behandlung ist es noch ein langer Weg, doch liefern die Ergebnisse einen konkreten Ausgangspunkt.
Genetisches Risiko ist kein Schicksal
Die Studie unterstreicht zudem, dass genetisches Risiko kein unausweichliches Schicksal ist. APOE4 erhöht das Risiko, doch nicht jeder Träger entwickelt Alzheimer. Die biologischen Schutzmechanismen, die durch APOE2 aktiviert werden, könnten grundsätzlich auch bei Menschen ohne die günstige Variante nachgeahmt oder verstärkt werden.
Vorerst handelt es sich um Befunde auf Zellebene. Ob derselbe Effekt auch beim lebenden Menschen und in welchem Ausmaß auftritt, muss in weiterer Forschung geklärt werden. Die Forscher bezeichnen dies als eine neue Richtung, nicht als eine bewährte Behandlung.
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