Gehirngesundheit und Altern im Mittelpunkt einer neuen Konferenz: Was wissen wir wirklich über den neuronalen Abbau?
Während die Langlebigkeitsforschung rasant voranschreitet, bleibt ein Organ bei den Behandlungsoptionen immer wieder zurück: das Gehirn. Eine neue Konferenz in Boston will das ändern und bringt Neurowissenschaftler, Investoren und politische Entscheidungsträger an einen Tisch.
Die NOVA-Konferenz, Neuroscience of Vitality and Aging, kommt erstmals nach Boston. Im Mittelpunkt steht eine Frage, die von Jahr zu Jahr drängender wird: Wie lässt sich die Gehirngesundheit im Alter erhalten, und wie kann der Kampf gegen neurodegenerative Erkrankungen beschleunigt werden? Die Veranstaltung wird von der Aging Initiative organisiert, einer gemeinnützigen Organisation, die das Ökosystem der Langlebigkeitsforschung in ganz New England stärken will.
Neurodegeneration ist gewissermaßen der blinde Fleck der Langlebigkeitsbewegung. Ansätze wie Senolytika, mitochondriale Therapien und Reprogrammierung zielen überwiegend auf periphere Gewebe ab. Das Gehirn ist schwerer zu erreichen, durch die Blut-Hirn-Schranke geschützt und in seiner Zellbiologie grundlegend anders. Neuronen teilen sich kaum, was eine Stammzell-Therapie weit komplizierter macht, als es zunächst klingt. Alzheimer und Parkinson haben sich trotz jahrzehntelanger Forschung wirksamen Behandlungen hartnäckig widersetzt.
Die Kluft zwischen wissenschaftlichen Durchbrüchen und klinischer Realität
Die Grundlagenforschung zum Gehirn hat in den vergangenen Jahren bemerkenswerte Ergebnisse hervorgebracht: von der Entdeckung der glymphatischen Reinigung während des Schlafs bis hin zu neuen Erkenntnissen über Neuroinflammation und die Rolle der Mikroglia bei Alzheimer. Die Übertragung dieser Befunde in wirksame Therapien gelingt jedoch nach wie vor nur schleppend. Die meisten klinischen Studien zu Alzheimer sind gescheitert, und selbst kürzlich zugelassene Medikamente wie Lecanemab zeigen trotz biologisch nachweisbarer Wirksamkeit nur einen begrenzten klinischen Nutzen.
NOVA versteht sich als Brücke zwischen diesen Welten: Wissenschaft, Biotechnologie, Politik und Investment. Ob das die richtige Formel ist, um den Stillstand zu überwinden, bleibt offen. Konferenzen knüpfen Netzwerke, nicht immer Durchbrüche. Doch das Signal, dass Gehirngesundheit als vollwertiger Bestandteil der Langlebigkeitsagenda behandelt wird und nicht als eigenständiges neurologisches Thema, ist für sich genommen bereits eine Verschiebung, die Aufmerksamkeit verdient.