Gesunde Mitochondrien in rote Blutkörperchen verpacken: ein neuer Ansatz gegen Parkinson
Parkinson beginnt in den Kraftwerken der Zellen. Wissenschaftler haben nun einen Weg gefunden, gesunde Versionen dieser Kraftwerke direkt in erkrankte Gehirnzellen zu schleusen – verpackt in einem überraschenden Transportmittel: roten Blutkörperchen.
Mitochondrien sind die Strukturen, die Zellen mit Energie versorgen. Bei Parkinson werden sie beschädigt oder funktionsunfähig, was zum Absterben jener dopaminproduzierenden Gehirnzellen führt, die eine reibungslose Bewegung ermöglichen. Dieser Verlust an Zellen und Energie ist es, der die charakteristischen Symptome der Krankheit antreibt: Zittern, Steifheit und Bewegungsschwierigkeiten. Bisherige Behandlungen konzentrierten sich darauf, den Dopaminmangel auszugleichen, anstatt die Mitochondrien selbst zu reparieren.
Die Forschenden wählten rote Blutkörperchen als Transportvehikel – was auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, da rote Blutkörperchen selbst keine Mitochondrien enthalten. Doch genau das macht sie so nützlich. Sie sind biologisch neutral, das Immunsystem stuft sie nicht als Bedrohung ein, und sie lassen sich als leere Hüllen zweckentfremden. Die Wissenschaftler lösten die Zellmembranen roter Blutkörperchen heraus, nutzten sie als Umhüllung für funktionsfähige Mitochondrien und injizierten diese Kapseln in Krankheitsmodelle.
Ergebnisse in mehreren Modellen
Der Ansatz wurde in verschiedenen Parkinson-Modellen getestet, darunter sowohl Zellkultursysteme als auch Tiermodelle. In allen Fällen wurden Verbesserungen beobachtet: Die Mitochondrien erreichten die erkrankten Zellen, wurden aufgenommen und stellten den Energiestoffwechsel messbar wieder her. In den Tiermodellen äußerte sich das in einer verbesserten motorischen Funktion – die für Parkinson typischen Bewegungsprobleme gingen deutlich zurück.
Mitochondriale Fehlfunktionen spielen nicht nur bei Parkinson eine Rolle, sondern sind auch bei einer Reihe anderer neurodegenerativer Erkrankungen sowie beim Alterungsprozess insgesamt beteiligt. Eine verlässliche Methode zur gezielten Lieferung gesunder Mitochondrien in bestimmte Zellen könnte daher ein breites Anwendungsspektrum haben.
Von der Maus zum Menschen: ein langer Weg
Die Methode hat jedoch ein grundlegendes Problem, das noch gelöst werden muss: Wie lässt sich sicherstellen, dass die verpackten Mitochondrien im Gehirn ankommen und nicht irgendwo anders im Körper? Die Blut-Hirn-Schranke, eine streng regulierte Grenze zwischen dem Blutkreislauf und dem Hirngewebe, ist für große Moleküle und Strukturen bekanntlich schwer zu überwinden. Die Forschenden beschreiben ihre Methode als vielversprechend, doch ob sie das menschliche Gehirn effektiv erreichen kann, bleibt eine offene Frage.
Hinzu kommt, dass die Studie an Mausmodellen für Parkinson durchgeführt wurde, die die menschliche Erkrankung nur teilweise abbilden. Parkinson beim Menschen ist eine komplexe, langsam fortschreitende Krankheit mit erheblichen Unterschieden von Patient zu Patient. Ob mitochondriale Schäden beim Menschen ebenfalls reversibel sind, wenn gesunde Mitochondrien zugeführt werden, ist bislang unbekannt.