IFNAR1-Verlust verbindet das Immunsystem mit Parkinson
Ein Protein in Gehirnzellen erweist sich als entscheidend für die Parkinson-Krankheit. Fehlt es, brechen die energieproduzierenden Strukturen in den Zellen zusammen – mit Folgen, die der schwersten Form der Erkrankung ähneln.
Forschende haben untersucht, was geschieht, wenn das Protein IFNAR1 in den Gehirnzellen von Mäusen fehlt. IFNAR1 ist ein Rezeptor für angeborene Immunsignale (Interferon-alpha und -beta). Die Studie, veröffentlicht im Journal of Biomedical Science, zeigt, dass der Verlust dieses Proteins zu mitochondrialer Dysfunktion führt – also zur Störung jener Zellorganellen, die die zelluläre Energie erzeugen. Bei Mäusen resultierte dies in einem Verlust dopaminproduzierender Neuronen, in Neurodegeneration sowie in Verhaltensauffälligkeiten, die der Parkinson-Krankheit mit Demenz ähneln.
Mitophagie als zentraler Mechanismus
Ohne IFNAR1 ist ein Prozess namens Mitophagie gestört. Mitophagie bezeichnet den zellulären Mechanismus, mit dem beschädigte Mitochondrien abgebaut und recycelt werden. Funktioniert er nicht, häufen sich defekte energieproduzierende Strukturen an. Das gilt seit Langem als Risikofaktor bei genetischen Formen von Parkinson. Der neue Befund legt nahe, dass derselbe Mechanismus auch bei nicht-genetischen Fällen eine Rolle spielen könnte.
Bemerkenswert: Bei Patientinnen und Patienten mit Parkinson-Krankheit und Lewy-Körper-Demenz war die IFNAR1-Expression im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen verringert. Das deutet auf eine Relevanz beim Menschen hin – wenngleich es sich um eine Assoziation handelt und keinen Kausalitätsbeweis.
Der Zelltyp bestimmt das Ergebnis
Die Forschenden entfernten IFNAR1 gezielt entweder aus Neuronen (Nervenzellen) oder aus Astrozyten (Stützzellen im Gehirn). Neuronen ohne IFNAR1 zeigten motorische und kognitive Defizite. Astrozyten ohne IFNAR1 erzeugten Verhaltensveränderungen, die neuropsychiatrischen Störungen ähnelten. Dies legt nahe, dass das Protein im Krankheitsverlauf in jedem Zelltyp eine eigene Rolle übernimmt.
Ob eine Steigerung der IFNAR1-Aktivität zu einem Behandlungsansatz bei Parkinson werden könnte, ist noch offen. Weitere Forschung ist nötig, doch die Ergebnisse liefern eine mechanistische Grundlage für neue therapeutische Überlegungen.