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Individuen verändern ihr Verhalten spontan – ohne äußeren Auslöser

Redaktion LongevityWatch · 13. Mai 2026 · 2 min · English

Genetisch identische Tiere in derselben Umgebung verhalten sich trotzdem unterschiedlich. Und ihr Verhalten wandelt sich im Laufe der Zeit, ohne erkennbaren Auslöser. Das ist kein Rauschen – sondern offenbar eine biologische Strategie.

Forschende haben eine Studie zu dem veröffentlicht, was sie als phänotypischen Drift bezeichnen: spontane Verhaltensveränderungen einzelner Individuen über die Zeit, obwohl weder das Genom noch die Umwelt sich verändern. Die Studie zeigt, dass dieses Phänomen zu konsistent und weitverbreitet ist, um zufällig zu sein. Die Variabilität scheint fest darin verankert zu sein, wie Organismen mit Ungewissheit umgehen.

Die Hypothese, die die Forschenden entwickeln: Individuen, die ihr Verhalten unvorhersehbar variieren, sind für Fressfeinde und Krankheitserreger schwerer kalkulierbar. In einer stabilen Umgebung spielt das eine untergeordnete Rolle. In einer unberechenbaren hingegen verschafft es einen Überlebensvorteil. Aus evolutionärer Sicht kann eine Population variabler Individuen gegenüber einer mit einheitlichem Verhalten die Oberhand gewinnen, sobald sich die Bedingungen verschieben.

Was das über das Altern aussagt

Mit zunehmendem Alter nimmt die Verhaltensflexibilität bei vielen Tierarten ab. Das lässt sich zum Teil durch den Verlust neuronaler Plastizität erklären – also der Fähigkeit von Nervenzellen, ihre Verbindungen neu zu organisieren. Wenn phänotypischer Drift von eben dieser Plastizität abhängt, sagt das Modell voraus, dass ältere Individuen weniger Verhaltensvariation zeigen und damit schlechter mit unerwarteten Situationen umgehen können.

Das deckt sich mit dem, was über die Alterung des Gehirns bereits bekannt ist: Routinen verfestigen sich, die Anpassung an neue Umstände fällt schwerer. Diese Forschung liefert einen evolutionären Rahmen für diese Beobachtung.

Grenzen des Modells

Die Studie stützt sich vor allem auf Tiermodelle. Ob phänotypischer Drift beim Menschen auf dieselbe Weise funktioniert, ist bislang nicht belegt. Auch die Grenze zwischen adaptiver Variation und zufälliger Schwankung lässt sich allein aus Verhaltensdaten nur schwer ziehen. Folgestudien müssen zeigen, ob die dem Drift zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen im Alter nachlassen und ob das messbar mit dem Verlust funktioneller Flexibilität zusammenhängt.

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