Jüngere Generationen altern biologisch schneller
Wer heute vierzig ist, wirkt biologisch älter als Vierzigjährige vor einer Generation. Das ist kein Werbeslogan, sondern das Ergebnis einer begutachteten Studie – und es steht in einem beunruhigenden Zusammenhang mit steigenden Krebsraten bei jüngeren Erwachsenen.
Krebserkrankungen bei Erwachsenen unter 55 Jahren nehmen seit Jahren zu. Eine mögliche Erklärung lautet, dass jüngere Generationen biologisch schneller altern als frühere Generationen im gleichen Lebensalter. Eine neue Studie hat dieser These nun konkrete Zahlen gegeben.
Die Forschenden setzten sogenannte biologische Altersuhren ein – Instrumente, die das tatsächliche biologische Alter einer Person anhand messbarer Körpermarker schätzen, nicht anhand der gelebten Jahre. Die Studie ergab, dass Menschen aus jüngeren Geburtsjahrgängen bei gleichem Kalenderalter ein höheres biologisches Alter aufwiesen als Menschen aus älteren Jahrgängen. Eine stärker beschleunigte biologische Alterung war mit einem erhöhten Risiko für Krebserkrankungen im jüngeren Erwachsenenalter verbunden.
Bei welchen Krebsarten zeigte sich der deutlichste Zusammenhang?
Die Zusammenhänge waren nicht bei allen Krebsarten gleich ausgeprägt. Spezifische Muster fanden sich bei Lungen-, Magen-Darm-, Gebärmutter- und Darmkrebs. Entscheidend ist: Die Studie belegt eine Assoziation, keine Kausalität. Ob eine beschleunigte biologische Alterung das Krebsrisiko treibt oder ob beide Phänomene eine gemeinsame Ursache teilen, lässt sich aus diesem Studiendesign allein nicht ableiten.
Was die Studie jedoch zeigt: Die Lücke zwischen biologischem und chronologischem Alter ist kein abstraktes Konzept. Sie ist ein messbarer Unterschied, der in einer großen Bevölkerungsstichprobe mit Krankheitsverläufen korreliert – und damit für eine auf Prävention ausgerichtete Medizin relevant ist.
Was treibt diese Beschleunigung an?
Eine spezifische Ursache für die beobachteten generationellen Unterschiede benennen die Forschenden nicht. Schlechte Ernährungsqualität, Bewegungsmangel, gestörter Schlaf und steigende Adipositas-Raten gelten auf Basis anderer Studien als mögliche Faktoren – in dieser Arbeit werden diese Zusammenhänge jedoch nicht nachgewiesen. Es handelt sich um ein Signal, das weitere Untersuchungen verlangt, nicht um eine abschließende Antwort. Aus Sicht der Longevity-Forschung ist der Befund bedeutsam, weil er darauf hindeutet, dass sich biologische Alterungsverläufe auf Bevölkerungsebene verschieben – und dass diese Verschiebungen früh im Leben messbar sind.
Suchbegriffe zur Vertiefung: biological age acceleration cancer risk, generational aging differences epidemiology, early-onset cancer lifestyle factors