Knochen- und Gelenkerkrankungen haben eine gemeinsame immunologische Wurzel im Alter
Osteoporose und Arthrose treten bei älteren Menschen häufig gemeinsam auf. Lange galt das als Zufall. Eine neue Übersichtsarbeit argumentiert, dass beiden Erkrankungen ein gemeinsamer biologischer Treiber zugrunde liegt: die Alterung des Immunsystems.
Traditionell werden Osteoporose und Arthrose getrennt erklärt. Osteoporose gilt als Folge eines gestörten Gleichgewichts im Knochenumbau, das teilweise durch den Östrogenabfall ausgelöst wird. Arthrose wird mit mechanischem Verschleiß und dem Abbau von Knorpelgewebe in Verbindung gebracht. Doch beide Erklärungen haben eine Schwachstelle: Sie können nicht überzeugend begründen, warum die beiden Erkrankungen bei älteren Menschen so häufig gleichzeitig auftreten.
Inflammaging als gemeinsamer Treiber
Forscher beschreiben in einer Übersichtsarbeit, die über Fight Aging! diskutiert wird, wie Inflammaging – die chronische, schwelende Entzündung, die das Altern kennzeichnet – sowohl Knochenschwund als auch Knorpeldegeneration antreibt. Gealterte Immunzellen und seneszente Zellen (Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber weiterhin metabolisch aktiv sind und entzündliche Signalstoffe ausschütten) stören das Gleichgewicht innerhalb der osteochondralen Einheit – des Systems aus Gelenkknorpel und dem darunter liegenden Knochen. Mitochondriale Dysfunktion und metabolische Fehlregulation tragen nach Einschätzung der Forschenden ebenfalls zu diesem gemeinsamen Krankheitsprozess bei.
Die Lage wird noch komplexer dadurch, dass seneszente Zellen die Verschlechterung des Immunsystems begünstigen – während ein geschwächtes Immunsystem seinerseits immer schlechter in der Lage ist, seneszente Zellen zu beseitigen. Es entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf.
Ein neuer Ansatz für die Behandlung
Wenn Inflammaging und Immunalterung die gemeinsame Grundlage beider Erkrankungen bilden, eröffnet das die Möglichkeit, Osteoporose und Arthrose über denselben biologischen Mechanismus anzugehen. Aus der Perspektive der Longevity-Forschung könnten Therapien, die seneszente Zellen beseitigen oder chronische Entzündungen dämpfen, potenziell zwei weit verbreitete altersbedingte Erkrankungen zugleich beeinflussen. Dieser Ansatz bleibt vorerst ein theoretischer Rahmen, der auf bestehender Fachliteratur basiert; klinische Studien, die ihn direkt an Patientinnen und Patienten testen, werden in der Quelle nicht beschrieben.
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