Körpereigenes Protein hält Darmentzündung in Schach
Chronische Darmentzündung betrifft Millionen Menschen und ist eng mit beschleunigtem Altern verknüpft. Forschende haben nun herausgefunden, dass Bindegewebszellen in der Darmwand Entzündungen aktiv dämpfen – mithilfe eines Proteins, das auch den Stoffwechsel reguliert.
Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gerät das Immunsystem dauerhaft aus dem Gleichgewicht. Die Folgen sind Schäden an der Darmwand und ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Anhaltende Darmentzündung beschleunigt zudem biologische Alterungsprozesse – wie genau beides zusammenhängt, ist Gegenstand laufender Forschung.
Fibroblasten als entzündungshemmende Bremse
Fibroblasten sind Bindegewebszellen, die lange Zeit vor allem als strukturelle Stützzellen in Organen galten. Neue Forschungsergebnisse, veröffentlicht in Science, zeigen, dass sie im Darm eine aktive immunologische Rolle übernehmen. Die Studie belegt, dass Fibroblasten mithilfe des Proteins IGF1 (Insulin-like Growth Factor 1) eine Gruppe von Immunzellen – die angeborenen lymphoiden Zellen (weiße Blutkörperchen, die rasch auf Gewebeschäden reagieren, ohne dafür ein immunologisches Gedächtnis zu benötigen) – unter Kontrolle halten. Fehlte diese IGF1-vermittelte Regulation, wurden die Immunzellen überaktiv und lösten in Mausmodellen schwerere Darmentzündungen aus.
Dass IGF1 an der Stoffwechselregulation und am Alterungsprozess beteiligt ist, war bereits bekannt. Im Darm-Immunsystem scheint das Protein eine zusätzliche Funktion als entzündungshemmende Bremse zu erfüllen. Die Forschenden beobachteten diesen Mechanismus auch in menschlichem Darmgewebe, was die klinische Relevanz unterstreicht. Ob Therapien, die in die IGF1-Signalgebung eingreifen, Darmentzündungen beim Menschen wirksam reduzieren könnten, ist bislang nicht geklärt.
Bedeutung für das Altern im größeren Kontext
Chronisch-schwelende Entzündung – bisweilen als „Inflammaging" bezeichnet – gilt als einer der zentralen Treiber des Alterns. Der Darm spielt dabei eine Schlüsselrolle: Eine geschädigte Darmbarriere kann entzündliche Signalstoffe in den Blutkreislauf entlassen. Dass Fibroblasten und IGF1 einen lokalen Dämpfungsmechanismus in der Darmwand bilden, fügt dem Bild, wie der Körper Darmentzündungen einzudämmen versucht, ein weiteres Puzzleteil hinzu.
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