Männer verlieren wichtige Immunzellen schneller mit dem Alter
Männer altern schneller als Frauen. Neue Forschungsergebnisse liefern dafür einen konkreten Mechanismus: Sie verlieren einen entscheidenden Typ von Immunzellen früher im Leben.
Mit zunehmendem Alter schrumpft der Thymus, jenes Organ, das neue Immunzellen produziert. Bei Männern setzt dieser Prozess früher ein und verläuft rascher als bei Frauen. Die Folge ist ein verringertes Angebot an sogenannten naiven CD8+-T-Zellen – den Immunzellen, mit denen der Körper neue Bedrohungen erkennt, darunter Krebszellen und unbekannte Krankheitserreger.
Die Forschenden, die ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Nature Aging veröffentlichten, untersuchten sowohl männliche Mäuse als auch Männer. In beiden Gruppen zeigte sich, dass das schnellere Thymusschwund die Fähigkeit vermindert, Tumorzellen zu erkennen. Bei männlichen Mäusen war zudem die Reaktion auf Immuntherapie – eine Behandlungsmethode, die das körpereigene Immunsystem gegen Krebs einsetzt – schwächer ausgeprägt.
Thymusschwund beeinflusst das Ansprechen auf Krebstherapien
Für die Longevity-Forschung ist dieser Befund besonders bedeutsam, weil er eine direkte Verbindung zwischen dem Altern des Immunsystems und der Wirksamkeit von Krebstherapien herstellt. Wenn Immunzellen bei Männern schneller altern, könnte das erklären, warum Männer für bestimmte Krebserkrankungen in jüngerem Alter anfälliger sind und warum Immuntherapien bei ihnen möglicherweise weniger gut wirken.
Der Zusammenhang zwischen dem altersbedingten Rückgang des Thymus – auch Thymus-Involution genannt – und dem Altern des Immunsystems ist an sich bekannt. Neu ist der direkte Nachweis eines Geschlechtsunterschieds in diesem Prozess sowie dessen funktionelle Auswirkungen auf die Tumererkennung. Die Forschenden schlagen vor, den Thymusschwund zu verlangsamen oder umzukehren, um dem immunologischen Altern bei Männern entgegenzuwirken. Dies ist bislang eine Hypothese, die weiterer Untersuchungen bedarf.
Geschlechtsunterschiede beim Altern des Immunsystems sind zu wenig erforscht
Das Altern des Immunsystems ist ein gut untersuchtes Feld, doch Studien, die biologische Geschlechtsunterschiede in diesem Prozess gezielt beleuchten, sind selten. Diese Arbeit liefert einen greifbaren Zusammenhang: Der Geschlechtsunterschied beim Thymusschwund könnte ein Grund dafür sein, dass Männer im Durchschnitt kürzer leben und anfälliger für bestimmte altersbedingte Erkrankungen sind. Ob und wie sich dieser Unterschied beeinflussen lässt, bleibt offen.
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