Movement Span: Wie lange bleibt man körperlich beweglich?
Wie lange man lebt, ist eine Frage. Wie lange man gesund lebt, eine andere. Doch wie lange man sich mühelos durch die Welt bewegen kann – das ist eine dritte Frage, die die Forschung nun ernst nimmt.
Ein Forscher an der Schnittstelle von Sportmedizin und Alterswissenschaft schlägt vor, den Begriff „Movement Span" als eigenständiges Konzept anzuerkennen. Der Artikel, erschienen im Journal of Sport and Health Science, argumentiert, dass dieses Konzept etwas erfasst, das weder Lifespan noch Healthspan abbilden.
Movement Span bezeichnet den Lebensabschnitt, in dem sich ein Mensch mühelos, sicher und anpassungsfähig durch seinen Alltag bewegen kann. Das ist nicht dasselbe wie das Vorhandensein oder Fehlen einer chronischen Erkrankung. Jemand kann offiziell gesund sein und dennoch Mühe haben, eine Treppe zu steigen, auf unebenem Untergrund zu stolpern oder sich ohne Stütze aufzurichten. Dieser Verlust geht mitunter einer formellen Diagnose voraus.
Abbau noch vor dem Auftreten von Krankheiten
Der Autor argumentiert, dass der Rückgang der Bewegungsfähigkeit – in der Forschung als körperliche Gebrechlichkeit bezeichnet – einsetzen kann, bevor irgendeine Diagnose gestellt wird. Dieser Rückgang wird nicht allein durch Krankheit verursacht, sondern auch durch zu geringe Anforderungen an das Muskel-Skelett-System. Wer sich wenig bewegt, verliert die Fähigkeit dazu schneller.
Bemerkenswerterweise wird Bewegung in der Alternsforschung an Würmern schon lange als Maßstab herangezogen: Wie aktiv ein Wurm ist, bestimmt, ob er als gesund und lebendig gilt. Der Vorschlag ist gewissermaßen die formale Übertragung einer Praxis, die in der grundlagenwissenschaftlichen Altersbiologie längst üblich ist.
Folgen für die Messung des Alterns
Sollte sich Movement Span als anerkanntes Konzept durchsetzen, würde das verändern, wie Kliniker ihre Patienten beurteilen, wie Gesundheitspolitik formuliert wird und wie Menschen ihr eigenes Altern wahrnehmen. Die entscheidende Frage lautet dann nicht nur „Bin ich krank?", sondern auch „Kann ich mich noch so bewegen, wie ich es möchte?"
Aus der Perspektive der Longevity-Forschung ist das eine bedeutsame Verschiebung. Gesundheit anhand der alltäglichen Funktionsfähigkeit zu messen, trifft das, was Menschen tatsächlich beschäftigt, besser als eine abstrakte Kennzahl wie das biologische Alter.
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