Mundbakterien verlangsamen das Altern bei Würmern und Mäusen
Ein weit verbreitetes Bakterium, das im menschlichen Mund lebt, scheint das Altern zu verlangsamen. Das klingt unwahrscheinlich – doch Forschende fanden den Zusammenhang über mehrere Spezies hinweg und verknüpften ihn mit Humandaten zum biologischen Altern.
Der Mund beherbergt Hunderte von Bakterienarten. Die meisten Studien zu Mikrobiom und Altern konzentrieren sich auf den Darm. Eine neue Studie, veröffentlicht in Nature Aging, richtet den Blick nun auf die Mundhöhle. Im Mittelpunkt steht Neisseria flavescens, ein Bakterium, das häufig in Rachen und Mund des Menschen vorkommt und als harmlos gilt.
Von der Mundflora zu einer längeren Lebensspanne
Die Forschenden nutzten ein Verfahren namens AURORA – eine KI-gestützte Analysemethode – um Zusammenhänge zwischen der Zusammensetzung des oralen Mikrobioms (der Gemeinschaft von Mikroorganismen im Mund) und Alterungsmarkern beim Menschen zu identifizieren. Neisseria flavescens fiel dabei als Art auf, die mit einem verlangsamten biologischen Altern assoziiert ist. Die Forschenden testeten diesen Befund anschließend an Würmern und Mäusen. Die Verabreichung lebender wie auch hitzegetöteter Bakterien zeigte bei beiden Spezies eine schützende Wirkung auf den Alterungsprozess. Dass hitzegetötete Bakterien ebenfalls wirkten, ist bemerkenswert: Es eröffnet die Möglichkeit, Nahrungsergänzungsmittel oder Probiotika zu entwickeln, die keine lebenden Organismen erfordern.
Wie genau Neisseria flavescens diesen Effekt erzeugt, ist bislang nicht abschließend geklärt. Die Forschenden vermuten, dass das Bakterium über Signalmoleküle das Immunsystem oder den Stoffwechsel beeinflusst – die genauen Mechanismen müssen jedoch noch untersucht werden. Auch der Schritt von Würmern und Mäusen auf den Menschen bleibt groß.
Vielversprechend, aber mit Vorbehalt
Die Humandaten sind assoziativer Natur: Menschen mit mehr Neisseria flavescens im Mund alterten biologisch langsamer, doch das könnte auch andere Ursachen haben, etwa einen generell besseren Gesundheitszustand oder einen bestimmten Lebensstil. Die Tierversuche liefern stärkere Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang – mit den üblichen Einschränkungen, die für Tiermodelle gelten. Dennoch ist dies ein ungewöhnlicher Ansatzpunkt für die Altersforschung. Er deutet darauf hin, dass das orale Mikrobiom im Rahmen der übergreifenden Frage, wie Mikroben die Lebensspanne beeinflussen, mehr Aufmerksamkeit verdient.
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