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Forschung · Alternsuhren

Mutationen in Blutstammzellen beschleunigen das biologische Altern

Redaktion LongevityWatch · 28. Juli 2026 · 2 min · English

Blutzellen können biologisch älter sein als das Kalenderjahr vermuten lässt. Eine neue Studie verbindet ein verbreitetes, altersbedingtes Mutationsmuster in Blutstammzellen mit messbarer Beschleunigung des biologischen Alterns.

Im Knochenmark produzieren Stammzellen unaufhörlich neue Blutzellen. Gelegentlich erwirbt eine dieser Stammzellen einen DNA-Fehler und beginnt, ihre Nachbarzellen zu verdrängen. Diesen Vorgang bezeichnet man als klonale Hämatopoese unbestimmten Potenzials, kurz CHIP. Es handelt sich dabei nicht um eine Krankheit, sondern um ein altersbedingtes Phänomen, das nach dem sechzigsten Lebensjahr immer häufiger auftritt.

Besonders relevant für die Langlebigkeitsforschung ist CHIP durch seinen Zusammenhang mit dem epigenetischen Altern. Die Forschenden führten eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von fünf Studien mit insgesamt 7.483 Personen im Alter von 55 bis 79 Jahren durch. Im Mittelpunkt stand die epigenetische Altersbeschleunigung (EAA), ein Maß dafür, um wie viel älter die DNA-Methylierungsmuster einer Person im Vergleich zu ihrem chronologischen Alter wirken. Das Ergebnis war eindeutig: Menschen mit CHIP zeigten eine höhere EAA als jene ohne CHIP.

Größere Klone, älter wirkende DNA

Der Zusammenhang war zudem dosisabhängig. Größere Klone mutierter Zellen korrelierten mit einer stärkeren biologischen Altersbeschleunigung. Über drei Querschnittsstudien hinweg, die in der Meta-Analyse zusammengefasst wurden, wirkten CHIP-Träger auf etablierten epigenetischen Uhren, darunter die Horvath- und die GrimAge-Uhr, 1,2 bis 2,8 Jahre älter.

Zwei Genmutationen stachen hervor: DNMT3A und TET2. Beide sind an der Regulierung der DNA-Methylierung beteiligt. Mutationen in TET2 gingen mit stärkeren epigenetischen Alterungssignalen einher als Mutationen in DNMT3A. Das legt nahe, dass nicht alle CHIP-Fälle dasselbe biologische Gewicht haben und der Mutationstyp für die Risikobeurteilung eine Rolle spielen könnte.

Ausblick

Es handelt sich um eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse, nicht um ein kausales Experiment. Die Forschenden selbst weisen darauf hin, dass größere Längsschnittstudien erforderlich sind, um zu klären, ob CHIP das epigenetische Altern aktiv vorantreibt oder lediglich damit korreliert. Offen bleibt auch, ob EAA für die Prognose von Morbidität und Mortalität einen eigenständigen Mehrwert bietet, der über den alleinigen CHIP-Status hinausgeht.

Dennoch wirft der Befund eine reizvolle Möglichkeit auf: Epigenetische Uhren könnten etwas erfassen, das Standard-Bluttests entgeht. Falls CHIP und EAA gemeinsam ein schärferes Risikoprofil ergeben als jedes Merkmal für sich, könnte diese Kombination klinisch nützlich werden, um Personen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere altersbedingte Leiden zu identifizieren. Die Studie erschien in Ageing Research Reviews.

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