Welche Blutwerte verraten, wie schnell du biologisch alterst?
Blutwerte wie Proteinprofile, DNA-Methylierungsmuster, Telomerlänge und gängige Entzündungsmarker zeigen jeweils auf ihre eigene Weise, wie schnell du biologisch alterst. Die spezialisierten Tests sind noch keine Routineversorgung beim Hausarzt, doch ein übliches Blutbild enthält bereits verwertbare Hinweise.
Blutproteine liefern derzeit das detaillierteste Bild davon, wie schnell du biologisch alterst. Eine Analyse von mehr als 51.000 Menschen zeigte, dass 227 von knapp 3.000 gemessenen Proteinen eng mit dem Alterungsprozess zusammenhängen. Fünf davon spielen offenbar eine echte ursächliche Rolle, darunter Proteine, die Entzündungen und das Zellwachstum steuern. Auffällig: Die stärksten Veränderungen im Proteinprofil treten rund um das 41., 60. und 67. Lebensjahr auf.
Eine zweite Methode ist die DNA-Methylierung: chemische Markierungen auf dem Erbgut, die sich mit dem Alter verschieben. Der darauf basierende DunedinPACE-Test sagt Krankheiten, Behinderungen und Sterblichkeit besser voraus als ältere Verfahren dieser Art. Menschen mit vielen Belastungen in der Kindheit zeigten messbar schnelleres biologisches Altern. Dieser Test ist bislang nur in der Forschung im Einsatz.
Routinemäßige Blutwerte sind ebenfalls aussagekräftig, wenn auch weniger präzise. Vier zusammengesetzte Scores, berechnet aus rund zwölf gängigen Parametern wie Entzündungs- und Blutfettwerten, reagierten nachweislich auf den Lebensstil, besonders auf die Ernährung. Erhöhte Entzündungswerte und ein ungünstiges Blutfettprofil gingen mit beschleunigtem biologischen Altern einher. In einer chinesischen Kohortenstudie war ein erhöhtes biologisches Alter auf dieser Grundlage mit einem um 20 Prozent höheren Sterberisiko pro zusätzlichem Jahr biologischer Alterung verbunden.
Die Telomerlänge, also die Länge der Schutzkappen an den Chromosomenenden, ist ein weiterer bekannter Marker. Kürzere Telomere weisen auf stärkere biologische Alterung hin. Dieser Zusammenhang ist beim Menschen klar belegt, die Messung ist aber weniger präzise als Proteinprofile oder Methylierungsmuster und wurde in den vorliegenden Studien nicht in absoluten Zahlen ausgedrückt.
Langjährige Adipositas, die bereits in der Kindheit beginnt, hinterlässt sichtbare Spuren im Blut. Bei jungen Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren, die seit langem adipös waren, lag der Entzündungsmarker hs-CRP zwei- bis zweieinhalb Mal höher als bei Normalgewichtigen. Für eine so junge Altersgruppe sind das erhebliche Unterschiede, die Forschende mit beschleunigtem biologischen Altern in frühen Lebensjahren in Verbindung bringen.
Basierend auf mehreren großen Kohortenstudien (bis zu 51.904 Teilnehmern) und validierten Forschungsinstrumenten. Die Befunde zu Blutproteinen sind teilweise durch Mendelsche Randomisierung gestützt. Epigenetische Uhren und Proteinprofile sind noch keine klinischen Standardtests. Die Befunde zur Telomerlänge sind qualitativer Natur und wurden in den verfügbaren Quellen nicht quantifiziert.