Neue Altersuhr liest Immunzellen einzeln aus
Altersuhren messen das biologische Alter. Die meisten analysieren chemische Markierungen auf der DNA. Eine neue Uhr verfolgt einen anderen Ansatz: Sie liest die Zugänglichkeit der DNA in einzelnen Immunzellen aus.
Wissenschaftler haben sc-ChromAging entwickelt, eine Altersuhr auf Basis der Chromatinzugänglichkeit in separaten Immunzelltypen. Chromatin ist die Struktur, in der DNA im Zellkern verpackt ist. Manche Abschnitte sind eng aufgewickelt und damit inaktiv, andere sind offen und können abgelesen werden. Diese Offenheit verändert sich mit dem Alter.
Bestehende Altersuhren betrachten üblicherweise einen einzigen Zelltyp oder ein Gemisch aus Blutzellen. Die Forschenden gingen weiter: Sie analysierten gleichzeitig mehrere einzelne Immunzelltypen und ermittelten für jeden ein eigenes Alterungsprofil. Dadurch lässt sich erkennen, ob bestimmte Zelltypen innerhalb derselben Person schneller altern als andere.
Was diese Uhr unterscheidet
Ein häufiger Kritikpunkt an Altersuhren ist, dass ihre Aussagekraft für einzelne Patientinnen und Patienten begrenzt ist. Auf Bevölkerungsebene funktionieren sie gut, doch für eine Einzelperson ist der Output wenig aussagekräftig. Der zelltyp-spezifische Ansatz von sc-ChromAging könnte mehr Differenzierung ermöglichen: Wenn die T-Zellen einer Person biologisch älter sind als ihre B-Zellen, liefert das andere Informationen als ein Durchschnittswert.
Die Forschenden weisen zudem darauf hin, dass Immunzellen kurzfristigen Einflüssen wie Infektionen oder Stress ausgesetzt sind, die die Chromatinstruktur vorübergehend verändern können. Die neue Uhr ist teilweise darauf ausgelegt, solche Veränderungen von strukturellen, altersbedingten Verschiebungen zu unterscheiden. Ob diese Unterscheidung in der Praxis zuverlässig funktioniert, muss durch weitere Forschung geklärt werden.
Epigenetisch oder etwas Neues?
Die bekanntesten Altersuhren basieren auf DNA-Methylierung, einer chemischen Modifikation, die darüber bestimmt, ob Gene aktiv sind. Die Chromatinzugänglichkeit greift auf einer anderen Ebene derselben Regulation an: nicht das chemische Etikett selbst, sondern die physische Architektur der Zelle. Ob dieser Ansatz letztlich bessere oder ergänzende Informationen gegenüber bestehenden Methylierungsuhren liefert, ist noch nicht geklärt.
Aus Longevity-Perspektive ist die Entwicklung granularerer Altersuhren vielversprechend. Sie könnten dabei helfen zu messen, ob eine Intervention bestimmte Zelltypen verjüngt, selbst wenn sich der Durchschnittswert kaum verändert. Die Studie wurde als Open Access veröffentlicht.