Blutprotein-Uhr sagt Krankheiten zwei Jahrzehnte früh voraus
Ein Bluttest, der chronische Krankheiten bis zu zwanzig Jahre vor der Diagnose vorhersagt – neue Forschungsergebnisse, veröffentlicht in Nature Aging, legen nahe, dass dies mithilfe von Proteinmustern im Blut möglich sein könnte.
Forschende analysierten Proteine im Blut von Tausenden Teilnehmenden aus zwei großen europäischen Kohorten. Sie setzten dabei sogenannte proteomische Altersuhren ein: Modelle, die das biologische Alter anhand von Proteinspiegeln schätzen. Diese Uhren erwiesen sich als empfindlich gegenüber Lebensstilfaktoren wie Rauchen, körperlicher Aktivität und Ernährung und konnten das Risiko verschiedener Erkrankungen vorhersagen – mitunter Jahrzehnte vor deren Auftreten.
Proteine als Spiegel des biologischen Alters
Menschliches Blut enthält Hunderte von Proteinen, die von verschiedenen Organen und Geweben ausgeschüttet werden. Einige dieser Proteine verändern sich im Laufe des Alterns. Die Studie zeigt, dass bestimmte Kombinationen von Proteinspiegeln ein verlässliches Maß für das biologische Alter darstellen – unabhängig vom kalendarischen Alter. Ein Fünfzigjähriger kann je nach diesen Proteinmustern biologisch jünger oder älter wirken.
Die Forschenden validierten ihre Ergebnisse in zwei unabhängigen Kohorten, was die Belastbarkeit der Resultate erhöht. Die Autorinnen und Autoren betonen dennoch, dass diese Uhren noch einige Hürden überwinden müssen, bevor sie für die individuelle Gesundheitsbeurteilung eingesetzt werden können.
Lebensstil hinterlässt Spuren in den Proteinen
Ein bemerkenswerter Befund ist, dass Lebensstilfaktoren sich unmittelbar in den proteomischen Uhren niederschlagen. Menschen, die rauchten oder sich wenig bewegten, wiesen in den Proteinmessungen durchgehend ein höheres biologisches Alter auf. Das deutet darauf hin, dass die Uhren nicht nur den aktuellen Gesundheitszustand abbilden, sondern auch auf veränderbare Faktoren reagieren. Aus Longevity-Perspektive ist das bemerkenswert, denn es legt nahe, dass Lebensstilinterventionen sich grundsätzlich in diesen Blutwerten widerspiegeln könnten – auch wenn die Studie dies nicht direkt nachgewiesen hat.
Die Methode basiert auf proteomischem Profiling: der systematischen gleichzeitigen Messung von Dutzenden bis Hunderten von Proteinen mithilfe großangelegter Datenanalyse. Dieser Ansatz ist noch verhältnismäßig neu und kostenintensiv, wird aber mit zunehmender technologischer Skalierung zugänglicher.
Ob diese Uhren jemals routinemäßig in der klinischen Praxis eingesetzt werden, bleibt offen. Als Prädiktoren künftiger Erkrankungen auf Bevölkerungsebene zeigen sie jedoch bereits erhebliches Potenzial.
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