Proteinfaktor verlangsamt zelluläres Altern und verlängert die Lebensspanne bei Mäusen
Forschende haben ein Protein identifiziert, das gealterte Zellen biologisch jünger erscheinen lässt und die Lebensspanne von Mäusen verlängert. Bemerkenswert ist, dass es auf einem anderen Weg wirkt als die risikoreicheren Reprogrammierungsansätze, die zuletzt viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben.
Ein Großteil der aktuellen Forschung zielt darauf ab, Zellen mithilfe von Yamanaka-Faktoren zu verjüngen – Proteinen, die Zellen in einen embryonalähnlichen Zustand zurückversetzen können. Das birgt jedoch Risiken, darunter den Verlust der Zellidentität und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der Tumorbildung. Daher suchen Forschende nach sichereren Alternativen.
Maschinelles Lernen als Filter
Ein Team trainierte ein computergestütztes Modell anhand von Gen-Aktivitätsprofilen menschlicher Hautzellen, die von Spenderinnen und Spendern unterschiedlicher Altersgruppen stammten. Das Modell konnte so das biologische Alter von Zellen anhand ihrer Genexpressionsmuster schätzen. Anschließend durchsuchten die Forschenden eine Auswahl von Genen nach Kandidaten, die das Gen-Aktivitätsprofil alter Zellen in Richtung eines jüngeren Musters verschieben könnten.
Der vielversprechendste Kandidat war SRSF1, ein Protein, das am RNA-Spleißen beteiligt ist – jenem Prozess, bei dem Zellen auswählen, welche Teile der genetischen Bauanleitung zur Herstellung von Proteinen genutzt werden. Die Studie zeigte, dass eine gesteigerte SRSF1-Aktivität Marker der zellulären Seneszenz (Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber auch nicht absterben), proteostastischen Stress (eine Störung des zellulären Protein-Gleichgewichts) sowie niedriggradige chronische Entzündungen reduzierte. Entscheidend ist: Die verjüngten Zellen behielten ihre Identität als Hautzellen und aktivierten keine embryonalen Stammzellprogramme.
Wirkung bei Mäusen
Wurde SRSF1 älteren Mäusen verabreicht, reicherte sich das Protein vor allem in der Leber an. Die Tiere zeigten eine messbar verlangsamte Alterungsrate und lebten länger. Die Forschenden betonen, dass die zugrunde liegenden Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind und dass Ergebnisse aus Mausstudien sich nicht automatisch auf den Menschen übertragen lassen. Weitere Untersuchungen sind nötig, um zu klären, ob SRSF1-basierte Ansätze beim Menschen sicher und wirksam sind.
Suchbegriffe zur weiteren Recherche: RNA-Spleißfaktoren zelluläres Altern Transkriptom, zelluläre Seneszenz Inflammaging Hemmung, biologisches Alter Genexpression Hautzellen