longevitywatch

Rückenschmerzen durch Bandscheibenverschleiß: Ein Wachstumsfaktor und ein Langlebigkeitsprotein bremsen den Schaden bei Ratten

Redaktion LongevityWatch · 4. April 2026 · 2 min · English

Bandscheibendegeneration zählt zu den häufigsten Ursachen chronischer Rückenschmerzen im Alter – und die Therapieoptionen beschränken sich bislang weitgehend auf Schmerzmittel und Operationen. Eine neue Studie weist auf eine unerwartete molekulare Kombination hin, die den Prozess in einem Rattenmodell deutlich verlangsamt hat.

Die Bandscheiben, die stoßdämpfenden Puffer zwischen den Wirbelkörpern der Wirbelsäule, verlieren im Laufe des Lebens Wasser, Elastizität und lebende Zellen. Die Folgen sind Schmerzen, Steifigkeit und in schweren Fällen Nervenkompressionssyndrome. Dieses Phänomen ist ein nahezu universelles Merkmal des Alterns und zählt zu den am häufigsten untersuchten Zustandsbildern in der Longevity-Forschung.

Forschende, die ihre Ergebnisse in Aging Cell veröffentlicht haben, konzentrierten sich auf zwei Moleküle: FGF21, einen Wachstumsfaktor, der normalerweise mit dem Fettstoffwechsel und der Energieregulation in Verbindung gebracht wird, sowie SIRT1, ein Enzym aus der Sirtuinfamilie, das seit Langem mit Alterungsprozessen und der Zellgesundheit verknüpft ist. Sirtuine sind Proteine, die eine Vielzahl zellulärer Vorgänge steuern – von der DNA-Reparatur bis zum Stoffwechsel –, und ihre Aktivität nimmt mit dem Alter ab. Die Studie zeigte, dass FGF21 die SIRT1-Expression in Bandscheibenzellen steigert und dadurch die Degeneration des Bandscheibengewebes in einem Rattenmodell verzögert wurde.

Vom Fettstoffwechsel zur Bandscheibe

Das Auftauchen von FGF21 in diesem Zusammenhang ist auf den ersten Blick überraschend. Dieser Wachstumsfaktor wurde ursprünglich wegen seiner Rolle bei der Insulinsensitivität und Gewichtsregulation erforscht. Doch FGF21 verfügt über Rezeptoren in vielen verschiedenen Geweben, und neuere Studien deuten darauf hin, dass seine Schutzwirkungen im Körper weit über den Stoffwechsel hinausreichen. Der Befund, dass FGF21 über SIRT1 die Bandscheibengesundheit beeinflussen kann, eröffnet diesem Molekül eine neue Dimension möglicher Anwendungsfelder.

Der entscheidende Vorbehalt: Es handelt sich um ein Nagetiermodell. Ratten sind keine Menschen, und der Weg von Laborbefunden zur klinischen Anwendung ist selten geradlinig. Mehrere vielversprechende Interventionsansätze gegen Bandscheibendegeneration haben diesen Sprung bisher nicht geschafft. Dennoch fügt sich diese Arbeit in ein wachsendes Forschungsfeld ein, das SIRT1 und Sirtuine generell mit altersbedingten degenerativen Erkrankungen in Verbindung bringt.

Was das für die Behandlung bedeutet

Die Studie ergänzt ein Bild, demzufolge die Bandscheibendegeneration kein rein mechanischer Verschleiß ist, sondern auch einen biologischen Alterungsprozess widerspiegelt, der möglicherweise pharmakologisch beeinflussbar ist. Sollten sich die Ergebnisse an menschlichen Zellen oder in klinischen Studien bestätigen, würde das eine grundlegend andere Behandlungslandschaft eröffnen als die derzeitigen Optionen, die weitgehend auf Schmerztherapie, Physiotherapie oder im Schwerefall auf Operationen beschränkt sind. Ob FGF21 oder ein Derivat davon jemals eine Rolle bei der Behandlung von Rückenschmerzen spielen wird, bleibt vollkommen offen.

Originalartikel lesen

Was sagt die Evidenz dazu?
Was hilft wirklich gegen chronischen Rückenschmerz im unteren Bereich?
Verwandte Forschung
12 Jul
Protein Arc transportiert Alzheimer-Tau zwischen Neuronen
12 Jul
Protein-Karte der Zilien enthüllt Ursachen von Lungenerkrankungen
10 Jul
Alternde Zellen bei Hundertjährigen: SIRT6 macht den Unterschied
Newsletter

Bleib auf dem Laufenden

Zweimal pro Woche die wichtigste Longevity-Forschung in deinem Postfach.